Praktikum: Bewerbung I

28.06.2016

2. Akt:

1. Szene

zeitlich ein bis zwei Wochen nach dem 1. Akt (Berufswahl *Klick*).

Mutter, 13jähriger Sohn und 6jährige Tochter beim Mittagessen

Sohn (leicht angeekelt): Sind da etwa Zucchini drin?!

Mutter: Ja, Deine Schwester wollte unbedingt mal wieder Zucchini essen.

Tochter (plappernd): Ich esse so gerne Zucchini!

Sohn: Igitt! (steht auf und macht sich ein Nutellabrot)

Mutter: Hast Du Deine Bewerbung und Deinen Lebenslauf fertig? Wenn Du jetzt nicht aus dem Quark kommst, klappt es nicht mehr mit dem Praktikum im Wunschberuf „irgendwas mit Computer – Programmieren ist cool“. Dann musst Du nachher nehmen, was übrig bleibt.

Sohn (leicht genervt): Ich weiß! Ich habe ja schon was geschrieben!

Mutter: Soll ich mal durchlesen?

Sohn: Nee, noch nicht.

Mutter: Machst Du es bis morgen fertig?

Sohn: Hm. (Abgang)

Tochter (kauend): Warum mag der Große keine Zucchini? Ich esse die soooo gerne!

2. Szene

Nächster Tag, Abend. Mutter würde nach einem aus verschiedenen Gründen anstrengenden und doofen Tag lieber Wein trinkend auf der Couch flegeln und Netflix gucken.

Mutter (ruft nach oben): Druckst Du bitte mal die Bewerbung samt Lebenslauf aus und bringst es mir? Ich gucke mal drüber.

Sohn: Ist noch nicht fertig.

Mutter (innerlich „yeah chakkalakka“ singend): Okay, mach es aber bis morgen fertig, sonst drehe ich Dir das Internet ab!

Sohn antwortet nicht.

Mutter (innerlich „yeah chakkalakka“ singend) gießt sich Wein ein, flegelt sich auf die Couch und guckt Netflix.
Außerdem schnappt sie sich das Tablet, und schaltet dem Großen das Internet für den Folgetag ab.

3. Szene

Später Nachmittag, Mutter dauermotiviert die nölige Tochter, seitenweise n’s und N’s als Hausaufgaben zu schreiben und stellt sich vor, wie sie den Abend wohlverdient mit Wein und Netflix verbringt (Stichwort: Selbstmotivation)

Mutter (zur Tochter): Mache doch einfach die Abstände zwischen den N’s ein bisschen größer!

Sohn (betritt die Szene): Warum habe ich kein Internet?!!!

Tochter (heult): Aber Herr Klassenlehrer hat gesagt, der Abstand soll eine Zeigenfingerbreite haben!

Mutter (leicht genervt): Dann mach es halt so, aber mach es endlich!

Mutter (an Sohn gewandt): Ich schalte Dir das Internet frei, sobald Du mir die fertige Bewerbung und den fertigen Lebenslauf bringst.

Tochter (laut heulend): Das ist soooo viel zu schreiben. Und das ist soooo langweilig!

Sohn (genervt): Okay! Abgang mit wütendem Türen knallen.

4. Szene

Abend. Mutter gießt sich gerade ein großes Glas Wein ein.
13jähriger Sohn betritt die Szene.

Sohn (hält Zettel in der Hand): Schon wieder Alkohol?

Mutter schaut ihn nur an, gießt noch mal nach.

Sohn (hält die Zettel hin): Bewerbung und Lebenslauf. Kannste mal durch lesen.

Mutter nimmt Zettel und Wein und geht zur Couch.

Sohn: Schaltest Du mich frei?

Mutter: Okay. Ich lese es mir durch und morgen sprechen wir drüber. Nimmt das Tablet und schaltet das Internet frei.

Bewerbungsanschreiben: 5 Sätze, 10 Rechtschreibfehler, Lebenslauf: persönliche Daten, Grundschule und jetzige Schule („bis heute“), immerhin keine Rechtschreibfehler.

Mutter schaltet Netflix ein und verdoppelt die Weinration. Irgendwo muss auch noch Schokolade sein? Außerdem schnappt sie sich das Tablet, und schaltet dem Großen das Internet für den Folgetag ab.

5. Szene

Mittagessen. Mutter, Sohn und Tochter essen.

Mutter: Also Deine Bewerbung… – Pause, sie weiß gerade nicht diplomatisch weiter – Du solltest sie noch mal nacharbeiten.

Sohn: Hm.

Mutter: Dein letztes Zeugnis war mit zwei Fünfen und mehreren Vieren nicht gut. Du hast Dich zwar sehr verbessert, Dein Halbjahreszeugnis wird wohl erheblich besser, und es waren Fächer wie Latein, GL, Sport und Religion, die für Deine Berufswahl wahrscheinlich nicht so entscheidend sind. Aber es war ein Zeugnis, mit dem Du sitzen geblieben wärest, wenn man das an Deiner Schule könnte. Und Du hast das Halbjahreszeugnis noch nicht. Deshalb könntest Du Dich besser beschreiben.

Sohn: Hm.

Tochter: Die Zucchini gestern waren so lecker!

Sohn (explodiert): Die waren total eklig! Immer gibt es Zucchini, weil ich die nicht mag!

Mutter: Es gab gestern zum ersten Mal seit Monaten Zucchini, weil Deine Schwester sie mag. Aber jetzt sind wir bei Deiner Bewerbung. Überlegt, wieviel Gläser Wein sie als Belohnung für ihre erwachsene Reaktion sie wohl trinken kann.

Sohn (wütend): Hm!

Mutter:Herr Musiklehrer lobt Dich über den grünen Klee, weil Du die Orchestertechnik aufbaust und und das Mischpult und die Lautsprecheranlage bedienst. Außerdem fragen Dich die Lehrer immer wieder, wenn sie jemanden suchen, der ihnen zuverlässig hilft, irgendwelche Veranstaltungen vorzubereiten.

Sohn (etwas besänftigt): Hm.

Mutter: Du hast schon zweimal bei „Schüler experimentieren“ teilgenommen. Das kannst Du doch dazu schreiben. Die Urkunden können auch in die Mappe.
Schau Dir noch mal an, wie eine Bewerbung aussehen soll, Frau Deutschlehrerin hat Euch doch eine gute Info-Mappe gegeben und Deine Klassenarbeit zu dem Thema war richtig gut. Du musst das jetzt nur auch bei Deiner Bewerbung umsetzen. Und Du bist doch schon so lange beim Jugendrotkreuz, nimm das doch wenigstens in den Lebenslauf mit auf!

Sohn: Okay.

Mutter, Sohn und Tochter essen.

5. Szene

Später Nachmittag. Mutter bügelt.
Sohn betritt die Szene.

Sohn: Warum habe ich kein Internet?!!!

Mutter (an Sohn gewandt): Ich schalte Dir das Internet frei, sobald Du mir die überarbeitete Bewerbung und den überarbeiteten Lebenslauf bringst. Und achte mehr auf die Rechtschreibung!

Sohn (genervt): Okay! Abgang mit wütendem Türen knallen.

Mutter fällt beim Bügeln gerade ein, dass sie den Wein in Szene 4 alle gemacht hat. Wo hat sie nur die Schokolade?!

6. Szene

Mutter bügelt immer noch.
Sohn betritt mit Zetteln in der Hand die Szene.

Sohn (hält die Zettel hin): Lies mal durch.

Mutter (bügelnd): Ich bügele erst noch fertig. Hast Du die Bewerbung nochmal nach Rechtschreibfehlern durchgeguckt? Sonst mach das noch mal, während ich fertig bügele.

Sohn verlässt die Szene wieder mit Zettel in der Hand.

Mutter bügelt und überlegt, ob sie noch schnell einkaufen fahren soll.

Fortsetzung folgt…

Hinweis zu Risiken und Nebenwirkungen: 

Alkohol kann echt lecker sein, hilft aber nur selten und ist nie die Lösung, kann aber spezifisch zur Minderung von Pubertäts-Nebenwirkungen eingesetzt werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Weinhändler.


Foto „Irgendwas mit Computer“ von www.pixabay.com

Advertisements