Praktikum: Bewerbung II

01.07.2016

3. Akt:

1. Szene

zeitlich: gleicher Tag wie 2. Akt (Bewerbung I *Klick*, 1. Akt: Berufswahl *Klick*).
Mutter hat gerade den Bügelkram verstaut, dabei die versteckte Schokolade wieder gefunden, und kocht sich Kaffee…

Sohn (betritt die Szene mit Zettel in der Hand): Liest Du mal durch?

Mutter: Mach ich! Nimmt die Zettel und balanciert Kaffee zum Esstisch.

Sohn: Schaltest Du mir das Internet frei?

Mutter: Nein, erst wenn die Bewerbung fertig ist.

Sohn (motzig-wütend): Oahh, warum?!

Mutter: Du hast die Zettel eine Woche im Ranzen mitgeschleppt. Du hättest die Bewerbung schon vor einer Woche fertig haben können. Viele Praktikumsplätze sind schon vergeben, Du musst das jetzt fertig machen!

Sohn (motzig): Mann! Abgang mit wütendem Türen knallen.

Mutter sitzt am Tisch, liest und trinkt Kaffee.

Bewerbungsschreiben: 6 Sätze, davon fünf vom ersten Entwurf, der sechste ist ein Bandwurmsatz mit den Empfehlungen der Mutter aus Akt 2, Szene 5. Nur noch ein Rechtschreibfehler im Bandwurmsatz.

Lebenslauf: genauso wie der erste Entwurf, ergänzt um Jugendrotkreuz.

Mutter trinkt erst mal in Ruhe ihren Kaffee.

2. Szene

Mutter (ruft nach oben): Kommst Du bitte runter, und bring Dein Notebook mit, wir schreiben das jetzt fertig. Ruft noch hinterher: Und das ganze Info-Material von Frau Deutschlehrerin bring auch mit runter.

Sohn kommt noch immer motzig die Treppe runter gepoltert.

Mutter: Pass mal auf! Möchtest Du ein Praktikum in einem Beruf, für den Du Dich interessierst? Dann schreibe eine ordentliche Bewerbung! Oder möchtest Du nur irgendein Praktikum? Dann lass die Bewerbung wie sie ist und klappere alle Geschäfte und Unternehmen persönlich ab, ob sie einen Platz in irgendeinem Beruf für Dich haben.

Sohn (noch motzig): Hmpf

Mutter: Und jetzt arbeite an Deiner Laune, sonst bist Du einer derjenigen, die von den Klassenlehrern untergebracht werden!

Sohn richtet sich aus der schlechte-Laune-Position auf, versucht, den Gesichtsausdruck zu entspannen, klappt Notebook auf. 

Sohn: Was soll ich denn schreiben?

Mutter fragt ihn gemäß der Infomappe von Frau Deutschlehrerin ab, wie eine Bewerbung zu schreiben ist. Mutter muss darauf achten, keine schlechte Laune zu bekommen, denn er weiß alles. Sie schauen sich die beiliegenden Muster an. Sie lässt ihn überlegen, wie er sein Bewerbungsschreiben nach diesen Regeln aufbaut, spricht alles mit ihm durch. Dann schreibt er das Anschreiben nochmal und siehe da… es ist ein vernünftiges Anschreiben eines 13jährigen, der endlich mal umsetzt, was er längst begriffen hat!

Dasselbe beim Lebenslauf… Regeln (kennt er !), Muster studieren, durchsprechen, er setzt es für sich um und siehe da… Es ist ein brauchbarer Lebenslauf.

Mutter (denkt zähneknirschend: Warum nicht gleich so?! Du hast gewusst, wie es geht!!!): Hey, siehst Du, schon erledigt. Jetzt nochmal ausdrucken, Korrekturlesen. Morgen kannst Du alle Sachen für die Bewerbung kopieren und zusammenstellen und die Anschreiben für die einzelnen Firmen fertig machen.

Sohn: Okay. Aber dann schaltest Du mich frei?!

Mutter denkt an Schokolade und Netflix.

Mutter: Ja, klar.

Außerdem ist ihr eingefallen, dass der Vater, der morgen nach mehrwöchiger beruflicher Abwesenheit nachhause kommt, auch ein bisschen Spaß haben soll. Den Rest der Bewerbungen kann er fertig machen. Sie schaltet ihrem Sohn das Internet frei.

Ende (erstmal)

Eigentlich ging es danach noch weiter, bis er endlich einen passenden Platz im Wunschberuf hatte. Aber beim Schreiben des letzten Teils sind gerade die Emotionen über meinen pubertierenden Prokrastinator wieder in mir hoch gekocht. 

Das Schreiben hat Spaß gemacht, ich mag aber gerade nicht mehr in diese Erinnerungen eintauchen.

Ich hole mit jetzt Wein und Schokolade und dann gucke ich Netflix!

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