Weihnachten mit Kindern – so feiern wir

Schon vor einer ganzen Weile rief Sylvi von Moms Favorites and more zur Weihnachtsblogparade

Trifft man hier auf andere Expats, verläuft das erste Gespräch nach folgendem Muster:

1. Wo kommst Du her?

2. Wo wohnst Du hier?

3. Auf welche Schule gehen Eure Kinder?

4. Wie findest Du es hier?

und als saisonal abhängige Frage:

5. Bleibt Ihr Weihnachten hier? Falls nicht – fahrt ihr ins Heimatland zur Familie oder woanders hin?

Unter deutschen Expats sind wir hier eher die Ausnahme. Wir bleiben nämlich hier.

Bis vor wenigen Jahren musste ich in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester immer arbeiten, da in unseren Computersystemen der Jahresabschluss gefahren wurde. Richtig zu tun hatten wir in dieser Zeit im Büro nicht, denn der Computer bzw. der Server arbeitete. Nur, wenn irgendetwas nicht richtig lief, dann wurde es stressig. Deshalb musste jemand da sein.

Dadurch hielten wir unser Familienweihnachten immer ruhig. Am zweiten Feiertag fuhren wir zu meinen Eltern, wo sich die ganze Sippe traf. Manchmal, wenn es passte trafen wir auch noch am ersten Feiertag ein bisschen Familie, aber nicht jedes Jahr. Aber der Heiligabend, der gehörte seit der Geburt des Großen immer ganz alleine uns.

Auch wenn mir die Familie an zweiten Tag fehlen wird – ich bin nicht bereit, unser ruhiges Weihnachten aufzugeben. Und wenn wir nach Deutschland reisen würden, wäre es eher stressig. Jeder möchte besucht werden, Heiligabend könnten wir nicht für uns in unserem Rhythmus verbringen.

Also bleiben wir hier. Was in Deutschland nicht jeder versteht. Aber es ist unser Weihnachten und wir wollen hier unsere eigenen Rituale finden…

Unser Weihnachtsbaum ist künstlich. Wir hatten einmal heftigst Tannenläuse mit einer langen Käferstraße zum Fenster und viel vom Harz verklebten und ruinierten Baumschmuck. Seitdem haben wir den künstlichen Baum.

Der Vorteil: Wir stellen den ungeschmückten Baum mit der noch leeren Krippe schon in der ersten Adventswoche auf.

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Maria und Josef wandern während der Adventszeit zur Krippe hin. Im alten Zuhause in Deutschland liefen sie über Schränke und Regale, hier kommen sie Tag für Tag die Treppe hinunter, bis sie den Stall erreichen.

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Am Morgen des Heiligabend wird der Baum geschmückt. Die Kinder dürfen, sobald ich die Lichter der Lichterkette optimal drapiert habe und mindestens zwei Lichter davon im Krippchen sind. Okay, da habe ich eine kleine Perfektionsneurose. Danach dürfen die Kinder ran, bis sie keine Lust mehr haben, dann optimiere ich den Baumschmuck, bis das Bäumchen möglichst nahe an meiner Version des perfekten Weihnachtsbaumes ist. Auch hier ergebe ich mich der kleinen Perfektionsneurose…

Maria und Josef erreichen den Stall und die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Der Ehemann macht den Kartoffelsalat, der Wein wird kalt gestellt.

In Deutschland fuhren wir an Heiligabend zum Krippenspiel. Denn damit das Christkind kommen kann, müssen wir das Haus verlassen. Mein Mann und in den letzten Jahren auch der Große sind beim Haus verlassen ungewöhnlich trödelig.

Die Kleine wundert sich jedes Jahr. Ich stehe jedes Jahr auch ob der Trödeligkeit verständnislos den Kopf schüttelnd neben ihr vor dem Haus, wohl wissend, dass drinnen in höchster Eile die Geschenke unter dem Baum arrangiert werden, das Licht am Baum eingeschaltet wird und das Jesuskind ins Krippchen gelegt wird.

Es ist jedes Jahr ein „Oh!“ Und „Ah!“. Obwohl sie nicht mehr so recht ans Christkind glaubt, so ist sie doch jedes Jahr wieder verblüfft und versteht nicht, wie es zugeht.

Ich habe noch keine Ahnung, wie wir es in Polen halten werden. Wir werden das Haus verlassen, ich weiß aber noch nicht, was wir machen…

Bei Heimkehr werden die Geschenke ausgepackt, es gibt Würstchen mit Kartoffelsalat, danach suchen wir im Fernsehen einen der traditionellen Weihnachtsfilme und spielen und basteln und essen Schokolade!

Ich habe auch schon mit polnischen Weihnachtsbräuchen liebäugelt – aber nee, dass sind nicht wir. Nicht an Weihnachten!

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10 Gedanken zu “Weihnachten mit Kindern – so feiern wir

  1. Schöner Beitrag und ich finde es genau richtig, dass Deine Familie und Du euer „Weihnachtsding“ macht und ihr euch nicht von der Familie treiben lasst. Eigene Traditionen sind wichtig und man muss damit auch anfangen. Meine (Noch-)frau, meine Tochter und ich begründen dieses Jahr auch eine neue Weihnachtstradition, also so ganz wie wir es eigentlich letztes Jahr vorhatten, nachdem wir dann einmal bei jeder Familie waren. Tja nur, dass das Ergebnis jetzt gänzlich anders sein wird, als wir uns das letztes Jahr unterm Baum vorgestellt haben.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie eine besinnliche Vorweihnachtszeit und einen wunderbaren Beginn einer „polnischen“ Weihnachtsfamilientradition.

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    1. Danke! Ja, bei diesen Ritualen und Traditionen merkt man jede Veränderung ganz besonders… ich drücke Dir die Daumen, dass Weihnachten harmonisch verläuft und ihr ein Ritual findet, dass euch und insbesondere eurer Kleinen auch in den nächsten Jahren bei allen Veränderungen Sicherheit gibt!

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  2. Ja, danke. Ich hoffe auch. Ich bin zumindest schon mal froh, dass wir für dieses Jahr eine vernünftige Regelung gefunden haben, auch wenn ich mich manchmal dabei erwische wie ich mich immer noch frage, wie es dazu eigentlich kommen konnte, aber das ist dann zumindest alleine auch vergebene Liebesmüh.

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  3. Mich treibt eher gerade der Geschenk Horror rum. Was schenken? Auch dem reichen Sportlerfreund der Giraffe? Der hat doch alles??? 1. Welt Sorgen ja, weiss ich. Aber eben Stress bei der Arbeit, abends k.o. Und Samstags für Shopping opfern, müsste ich wohl….

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    1. Ja, es soll halt jeder sein Päckchen bekommen, man will auch einen reichen Sportlerfreund nicht ohne stehen lassen. Am besten etwas, dass er aufessen oder leer trinken kann? Dann hat er wenigstens nicht das Gefühl, er muss es mal für die Quasi-Schwiegermutter tragen/hinstellen/aufhängen… 😉 Ich mache diesmal für alle Päckchen mit polnischem Krimskrams (also für die in Deutschland gebliebenen), da schenke ich mir dann mal die Individualität. Für die Kinder habe ich schon alles, da fehlt mir nur noch etwas kleines witziges für den Großen… Kommen deine Kinder Weihnachten zu Euch?

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      1. Ja! Wir feiern in den Bergen. Die Tochter und ihr Sportlerfreund kommen für einen Tag und eine Nacht, dann gehts weiter zu seinen Eltern, dann nach London. Ab 29.12 komme sie alleine nochmals in die Berge, falls es Schnee hat.
        Ja Essen wäre eine Idee. Er schlemmt. Ei mir auch immer gerne. Und ich schaue Morgen im Bodyshop nach einer Männerlinie. Er duscht ja oft, im Moment 6 mal die Woche Training und 3-4 Spiele, da würde das evtl auch passen.

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