Polnische Ostern

Ich hatte einen sehr lehrreichen Ostersonntag hier in Polen. Wir waren zum traditionellen Familienostersonntag in einer polnischen Familie eingeladen.

Und das habe ich gelernt:

1) Man beginnt mit dem Frühstück. Das Frühstück ist ein warmes Dreigängemenü. In unserem Fall bestand es aus einer sauren Mehlsuppe mit einer Einlage, die aus kleingeschnittener Wurst und einem gekochten Ei bestand. Darauf folgte ein Gang aus diversen warmen Kleinigkeiten, die allesamt aus Ei und Schinken zusammengesetzt waren. Es gab auch noch eine diverse Auswahl von Fleisch und Salaten auf dem Tisch. Und Meerrettichsoße.

2) Zum Frühstück wurde Wein getrunken. Das es nichts als Wein gab, lag an der Gastgeberin, die ihrem Mann verboten hatte, härteres als Wein vor 12:00 Uhr auszuschenken.

3) Nach dem Frühstücksnachtisch (Diverses Gebäck und Tiramisu) gab es eine Pause von 1 Stunde und 5 Minuten.

4) Der schnellste Spülmaschinendurchgang dauert 1 Stunde und 5 Minuten. Er bestimmte den Rythmus der Mahlzeiten.

5) 1 Stunde und 5 Minuten nach dem dreigängigen warmen Frühstück gab es das Mittagessen. Das Mittagessen bestand aus Tomatensuppe mit Backerbsen, aus diversen Braten, Meerettichsoße, Buchweizen, Pilzsoße und dem gleichen Nachtisch wie zum Frühstück.

6) Um 12:01 kam der Likör auf den Tisch. Immer wieder füllte der Gastgeber erst die Gläser, dann fand er einen Grund einen Toast auszubringen. Ostern, die Familie, dass wir alle zusammen sind, und ich glaube, auch „Jesus“ wurde diverse Male erwähnt. Na zdrowie!

7) Um 12:30 war die erste Likörflasche alle.

8) Nach dem Mittagessen konnten die, die morgens um 06:00 noch nicht in der Kirche waren, in die Kirche gehen. Die anderen gingen spazieren.

9) Nach Kirche/Spaziergang gab es Kaffee und Kuchen. Und ständig nachgefüllte Likörgläser.

10) Wenn man zeigt, dass man die Nussplätzchen der Babcia am leckersten findet, ist diese ganz entzückt und erzählt einem ganz viel auf Polnisch.

11) 1 Stunde und 5 Minuten nach dem Kaffee kam das Abendessen auf den Tisch. Das  bestand aus den ganzen Resten aller anderen Mahlzeiten. Außerdem war der Likör alle und es gab Wódka.

12) Polnisch sprechen ist leichter, wenn man vor ganz viel „Na zdrowie“ nicht mehr viel denken kann.

13) Ich halte länger durch als der Ehemann.

14) Wenn man (wie ich) zwischendrin und noch vor dem Schlafen gehen viel Wasser und Tee trinkt, geht es einem nicht sooo schlecht, wie wenn man das nicht macht (wie dem Ehemann).

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15 Gedanken zu “Polnische Ostern

  1. Das war ja Völlerei im wahrsten Sinne. Genug Kalorien für eine ganze Woche. Und genug Abarbeiten für die Leber. Schon lustig was es für Traditionen gibt!
    Den Trick mit dem Glas Wasser mache ich auch immer, überall wo es Alkohol gibt, so komme ich nicht aus der Balance.

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    1. Ja, Babcia ist die Oma. Und ihre Walnuss-Kipferl waren aber auch der perfekte Kaffeebegleiter. Und dann habe ich noch erfahren (dafür reichte mein Polnisch allerdings nicht, auch nicht mit Likör und Wódka im Kopf 😉) dass sie dieses Plätzchen das erste Mal zu ihrer Hochzeit gegessen hat und damals das Rezept bekam…

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