Vertraulichkeiten

Das erste Schuljahr ist bald um. Die Umzugssaison beginnt. Bei manchen Familien wird mir das Herz schwer, weil sie gehen, bei anderen nicht und dann gibt es da noch die eine Familie, bei der ich mit leichtem Herzen dachte, dass sie zum Glück geht und die jetzt doch noch bleibt.

Wenn ich mit dieser Mutter (nennen wir sie Viola) spreche, habe ich danach immer Bluthochdruck und Magenschmerzen. Eines ihrer Kinder geht in die gleiche Klasse wie die Kleine. Und sie nimmt mich stets vertraulich zur Seite, um mich auf etwas hinzuweisen. Besorgniserregende Dinge. Dinge, über die ich mir bisher keine Sorgen machte. Dann aber schon.

Inzwischen habe ich einen Viola-Resetknopf. Nach einen Gespräch mit ihr, frage ich mich, wie ich mich vor dem Gespräch mit ihr über diese Sache fühlte. Und dann versuche ich, zu diesem Gefühl zurückzukehren. Das ist mühsam. Und nicht immer erfolgreich, aber inzwischen immer öfter. Und ich rege mich nicht mehr über die Sache auf, über die sie mit mir spricht, sondern über sie.

Nachdem sie mich gestern auf einem Kindergeburtstag mal wieder zur Seite genommen hatte, sprach ich danach mit der liebsten Französin, dass es mich immer so stressen würde, wenn Viola mit mir spräche.

Sie sah mich danach mit großer Erleichterung an und sagte: „Gott sei dank – es geht nicht nur mir mit Viola so!“

Und ich war ebenso erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Ha, manchmal darf man doch den Überbringer einer Nachricht erschießen!

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8 Gedanken zu “Vertraulichkeiten

    1. Ich versuche das auch. Aber mit den Kindern in der gleichen Klasse trifft man sich hier recht häufig bei allen möglichen Veranstaltungen. Und was soll ich sagen, wenn sie mich vor den anderen fragt, ob sie mit mir sprechen könne. „Nein, Viola, mit Dir spreche ich nicht?“ Ich versuche ihr aus dem Weg zu gehen und privat treffe ich mich mit ihr bestimmt nicht… Die Klasse der Kleinen wird jetzt geteilt und ich überlege, ob ich (unter dem Siegel der Verschwiegenheit) darum bitten soll, dass unsere Kinder getrennt werden. Dann begegneten wir uns seltener. Aber mir fehlt das Vertrauen, dass das Siegel der Verschwiegenheit hält…
      Aber ich denke jeder hat eine Viola, wo man ein starkes Vermeidungsverhalten an den Tag legt.

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  1. Hach, so eine Mutter haben wir im Kindergarten. Neulich sagte eine andere Mutter: Ach, es ist so schön mit dir zu reden, wenn man mit S. redet, hat man danach ja schon ein total schlechtes Gewissen, sein Kind in diesen Kindergarten zu geben.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, genauso! Irgendwie ermitteln sie einem dass Gefühl, dass man total unaufmerksam ist und sich nicht ums Kind kümmert. Dabei weiß man genau, dass man sich kümmert, wenn es was zu kümmern gibt. Aber trottdem steht die Gefühlswelt erst einmal auf „sorgenvoll“.

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