Sind Sie vom Fach? – Nein, ich bin Hypochonder

Hypochonder sagt man ja nicht mehr. Ich leide an einer somatoformen Störung. Und an einem viel zu guten Gedächtnis. Insofern wirke ich manchmal beim Arzt fachlich sehr versiert.

Allerdings vertraue ich meinen deutschen Ärzten (polnische hab ich bisher kaum…). Sie haben mich immer ernst genommen, mich untersucht, mit mir geredet. Und (im Gegensatz zu vielen anderen mit solchen Problemen) höre ich auf sie, mache kein Ärztehopping und gehe auch nicht mehr oder nur wenig öfter als alle anderen zum Arzt. Aber ich fühlte mich auch nie lächerlich gemacht. Meistens geht es mir bald danach besser und ich kann meinen Körper aus meiner ständigen Beobachtung entlassen. Ich kenne halt für jedes Symptom mindestens eine ernste Krankheit. Und wenn man jede Missempfindung beachtet und beobachtet, wird jede kleine Missempfindung zum Symptom.

Ich hätte niemals Arzt werden können, denn zum einen würde ich noch mehr Krankheiten kennenlernen, zum anderen käme ich auch noch an die entsprechenden Medikamente zur Selbsttherapie.

Heute ist mir was passiert…

Ich war den ganzen Tag zuhause und aß ein kleines Mittagessen aus dem Kühlschrank. Eine kleine Packung eingelegter Fisch, in Plastik eingeschweißt, nicht eingedost. Und ich dachte wirklich, die Packung sei noch nicht so alt. Sie war auch noch fest verschweißt, ganz fest (kontrolliere ich gewohnheitsmäßig bei jeder Packung, die ich öffne). Ich aß direkt aus der Packung, war ganz lecker. Während ich aß, wollte ich das polnisch geschriebene darauf lesen und – der Fisch war seit einem Monat abgelaufen. Upps!

Seit heute Mittag plagt mich das Gefühl, mir könnte schlecht sein. Ich habe so ein Gefühl eines Taubheitsgefühls im Mund. Herzrasen, Panik…

Der Ehemann ist nicht da. Der kennt das schon. „Es reicht, sich aufzuregen, wenn wir sicher wissen, dass du eine Fischvergiftung hast…“ würde er sagen. Dann fühle ich mich auch besser. Der Ehemann ist nämlich so was von ruhig und besonnen! Und er hat noch nie: „Du spinnst!“ gesagt!

In Ermangelung meines Ehemannes war ich 6 Std. nach der Henkersmahlzeit bei der allerliebsten Nachbarin. Die ist nämlich Ärztin, lachte mich an, nahm mich in den Arm und sagte: „Mit einer Fischvergiftung würdest du nicht sechs Stunden nach der Mahlzeit hier stehen, ohne dich einmal übergeben zu haben und/oder einem heftigen Durchfall!“

Seitdem beruhige ich mich wieder. Mit der schwindenden Panik lässt das Bauchgrummeln nach, das Herzrasen auch und all der andere Kram wird wieder zum normalen Körpertagesgeschäft. Uff! Warum gerade dann, wenn der Ehemann nicht da ist?!

PS: In den Kommentaren können gerne alle eigene Erfahrungen mit somatoformen Störungen geschildert werden, aber ich denke es leuchtet jedem von Euch ein, dass ich gerade nicht empfänglich bin für Erzählungen von Menschen, die dachten, sie hätten eine Fischvergiftung, dann doch nicht und am Ende wurde alles ganz schlimm…

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18 Gedanken zu “Sind Sie vom Fach? – Nein, ich bin Hypochonder

  1. Also, meine Liebe, ich sehe das wie deine Nachbarin. Sitzt du noch aufrecht am PC, ist alles ok.
    Ich war mal …. Zeuge bei einer Eibrotvergiftung.
    Da saßen wir in der Mittagspause im Cafe Münchener Freiheit in der Sonne. Temperaturen ähnlich wie heute. Zwei Stunden später legte sich meine Kollegin Gritti ins Sekretariat neben das Klo …
    Eine weitere halbe Stunde später fuhr ich sie mit dem frischimportierten Punto einer anderen Kollegin ins Schwabinger Krankenhaus.
    Am nächsten Mittag war sie wieder daheim.
    Gut so? 🙂

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    1. Perfekt! Das sind die Erfahrungen, von denen man hören möchte 😉! Tatsächlich muss ich zwei Schinken-Rucola-Brötchen und ein Schokoeis später wirklich sagen: „Mir geht’s gut!“ Die Aufregung hätte es aber echt nicht gebraucht – so überflüssig 😖!

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  2. Ich bin mal gefragt worden wie oft ich mit meinen Kindern wegen Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus war. Die Person war der festen Überzeugung, dass man wenn man blind ist das Haltbarkeitsdatum nicht lesen kann. Ich war wegen allen möglichen Dingen im Krankenhaus. Aber das war noch nicht dabei.

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    1. Du hast bestimmt ein besseres Kühlschrankmanagement als ich 😉. Eigentlich weiß ich durchaus, wie lange etwas bei uns im Kühlschrank liegt. Kinderbedingt ist es auch ein bisschen durchsortiert, neue Packungen immer unten drunter u.ä. Aber den Fisch hatte ich irgendwie nicht auf dem Schirm! Ich fühle auch automatisch jede Packung, ob sie sich „wie immer“ anfühlt. So, wie es mir jetzt geht, ging es ja auch noch mal gut.

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  3. Ein Bekannter von mir hat mal ein Fischfilet mit leckerem Meerrettich obendrauf im Kühlschrank seiner Familie gefunden und gleich verspeist.
    Ein paar Stunden später stellte sich heraus, dass dieser Fisch nie mit Meerrettich garniert wurde. Er war nur ziemlich dolle schimmlig.
    Meinen Bekannten ließ das aber kalt. Ihm hat es schließlich geschmeckt. Und Beschwerden hatte er auch keine.
    Der menschliche Körper ist schon beachtlich…

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  4. Das Haltbarkeitsdatum ist ja kein Todesurteil..sondern nur der Hinweis das der Hersteller ab dem Datum nicht mehr für die Qualität garantiert
    ….ich habe die Angewohnheit zuerst an den Lebensmitteln zu riechen…die Nase sagt einem viel und auch das „Mundgefühl“ kann meistens sehr schnell „gut“ von „verdorben“ unterscheiden…so essen wir auch abgelaufene Joghurts, Käse und sogar 1Jahr abgelaufene Dosen-Pfirsiche (keine Ahnung wie die überhaupt in meinen Vorratsschrank gelangt ist…ist vermute mein Freund konnte nicht widerstehen…) LOL

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    1. Bei Joghurt und nicht zu kühlender Dosenware bin ich auch unempfindlich, da ich ziemlich sensible Geschmacksnerven habe. Aber Fisch, der im Kühlschrank gelagert werden muss? Fischvergiftungen können echt übel sein, und man kann es nicht immer einfach so schmecken.
      Aber schön zu hören, dass ihr noch aufrecht steht 😉

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  5. Witzig. Ich hab mich bisher nie getraut darüber zu schreiben 🙂 Irgendwie erleichtert mich dein Bericht. Du ahnst es nicht. Ich selber leide ebenfalls unter einer somatischen Schmerzempfindungsstörung plus der normalen Somatoformen Störung. Deshalb steh ich mit einem Bein ja auch immer im Zeichen des Hypochonders und genau wie du, kenne ich leider viel zu viele Krankheiten und ein Symptom passt sowieso immer. Mein Knubbel, der übrigens hätte Krebs sein können, fing an dem Tag an kleiner zu werden und zu verschwinden, als ich entschied, dass es wohl eher doch keiner ist 😉 So gehts. Ich schaue übrigens nie ob eine Verpackung zu ist … ich schaue auf das Verfallsdatum und esse Sachen nicht mehr oder nur SEHR ungern, wenn sie am gleichen Tag Ablaufen oder am nächsten -.-! Was ja eigentlich totaler unfug ist. Aber … es geht halt irgendwie nicht. Ganz besonders arg ists bei Milchspeisen, Fisch, Wurst und Säften. Und Eier! Eier rühr ich niemals nicht an, selbst wenn sie angeblich noch 3 Tage vor Verfall haben *hust*

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    1. Was mich wiederum erleichter zu hören 😃! Ich komme bei Joghurt etc. ziemlich gut zurecht auch mal etwas mit abgelaufenen Haltbarkeitsdatum zu essen, ich prüfe halt jede Packung gewohnheitsmäßig, ob sie irgendwie aufgebläht ist. Aber Fleisch und Fisch… nee! Ich nehme auch ziemlich ungern Medikamente, denn ich möchte auf die möglichen Nebenwirkungen vorbereitet sein und lese jeden Beipackzettel. Dabei sollte ich das nicht, denn ich bin der perfekte Kandidat für den Norcebo-Effekt, also den umgekehrt wirkenden Placebo-Effekt. Stärkere Medikamente kann ich nur nehmen, wenn der Ehemann da ist. Sonst ticke ich aus!

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      1. Beipackzettel lesen ist mein persönlicher tot. Ich kriege unter Garantie danach jede der aufgelisteten Nebenwirkungen -.- das hab ich mir total abgewöhnt. Und dann wird trotzdem alles beobachtet. Und wenn ich mit Medis dann auch nur irgendwas komisch finde, les ich den Beipackzettel …. xD und dann renne ich wie ein Huhn durch die Bude. Aber ich hab dasselbe Glück wie du mit meinem Mann. Der ist da auch immer ganz ruhig und holt mich zurück auf den Boden! (Nicht immer direkt mit Erfolg *zugeb* manchmal brauch ich etwas Zeit.)

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    1. Ja, ist es! Ich bin nicht bei allem so heikel, aber Fisch… ich habe als Kind mal so einen amerikanischen Flugkatastrophenfilm gesehen, bei dem es alle Piloten mit Fischvergiftung umgenagelt hat. Ich habe mal gehört, dass in unseren modernen Zeiten alle Piloten verschiedenes essen müssen, damit es nicht alle umhaut. Irgendwie hat sich dieses Fischvergiftungsding damals bei mir im Hirn eingebrannt…

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