Offene Worte

Wenn der Große derzeit mit mir spricht, fördert er sehr viel Meinung zutage. Meinung über mich, Meinung über das von mir gekochte Essen, Meinung über die Bevorzugung der Kleinen, Meinung über die von uns ausgesuchte Schule, …

Er ist gerade in der Pubertät. Wie man sich denken kann, fällt seine Meinung selten positiv bestärkend aus.

Gerade sind Ferien. Um ihn mal aus seiner Hummerhöhle (nach Jan-Uwe Rogge) zu locken waren wir beim Lasertag. Das erste Mal hier in Polen. Er erklärte mir auch freimütig seine Meinung, wie langweilig der Laden sei, der in Deutschland wäre viel besser gewesen (war er auch – der war cooooool! Wirklich!), und das ich da etwas doofes ausgesucht hätte.

Nun ja, wir jagten uns, schossen, hatten in dem umgebauten Kellergewölbe dann doch unseren Spaß, aber es blieb alles hinter dem letzten Mal in Deutschland weit zurück. (Ich habe übrigens mit einem Kill gewonnen.)

Das sehr nette Personal fragte dann auch, wie es uns gefallen hätte. Der Große lächelte zaghaft mit einem Mundwinkel und zuckte mit einer Schulter.

Ich erklärte, dass es sehr nett gewesen sei, wir aber in Deutschland in einer schöneren (auch weil interaktiveren) Einrichtung schon gespielt haben. Und daran wäre es nicht herangekommen, wobei wir aber viel Spaß gehabt hätten, uns in dem verwinkelten Keller zu jagen.

Im Hinausgehen meinte er dann ein bisschen empört, ich könne den Leuten hier doch nicht sagen, dass es mir woanders besser gefallen hätte!!!

Ich schwankte zwischen Belustigung und Empörung: Er weiß also, dass Menschen Gefühle haben, die man kränken kann.

Alle Menschen? Nein, alle außer denen, die mit ihm in einem Haus leben und die man Familie nennt!

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12 Gedanken zu “Offene Worte

    1. Ach, was heißt stressen… es ist halt ein Dauerbrummkreisel im Moment. Ich weiß ja, dass er sich in seiner Persönlichkeit und Abgrenzung uns gegenüber „übt“. Und Essen ist der kleinste Teil. Ich lerne dabei auch, seine Meinung zu akzeptieren und ihm Paroli zu bieten, wenn er übers Ziel hinaus schießt. Aber seine Reaktion heute zeigt mir noch, dass er noch seinen Weg zwischen Kränkung und Kritik noch finden muss. Mit mir als Sparringpartner. *seufz*

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        1. Ach, den Stoppunkt haben wir schon regelmäßig… aber ein bisschen macht es mir ja dich Hoffnung, dass er sich mal Gedanken um andere macht. Das muss in seinem Hirn jetzt nur noch ein bisschen justiert werden. Manchmal ist Kritik richtig und angebracht und manchmal schießt man eben übers Ziel hinaus. Ist so ein bisschen wie sie sich auch an den auf einmal etwas schlaksigen Körper gewöhnen müssen. Im Moment wird wieder häufiger was umgeworfen oder fallen gelassen oder gestoßen… es braucht halt seine Zeit. Und als Eltern ist man schon das sichere Testgebiet. Wo man übers Ziel hinaus schießen kann, und eben auch ausgebremst wird. Im Moment wird halt ausgiebig getestet. Aber ist bestimmt nur eine Phase. Ganz bestimmt. Hoffentlich! 😉

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  1. Das klingt fast nach meiner (bald) 17 jährigen Nichte. 😅 Den Unterschied zwischen Kritik und Kränkung kennt sie und ist im verteilen einsame Spitze, aber einstecken gleich null! Alle Leute sind „Best friend’s“ ausser Familie, die ist ja total doof! 😅 Wir sind aber auch furchtbare Leute! 😁😁

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    1. Ja!!! Ich habe den Großen gefragt, warum ich denn den Leuten nicht sagen sollte, wenn mir etwas nicht gefallen habe? Er meinte, dass sie sich bestimmt bemüht und ihr bestes gegeben haben. Ich fragte mich dann schon innerlich leicht dampfend, wieso das wildfremden Menschen zugute gehalten wird aber in der Familie kein bisschen davon 😖

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      1. Das habe ich meine Nichte auch mal gefragt. Ich muss ehrlich gestehen das ich sie während sie wild gestikulierend, geräuschvollem zischen, Worten wie ‚Joo..‘ ‚Bro..‘ und ‚einfach cooler‘ hab ich kaum was verstanden. Ich denke wir sind ihnen einfach nicht cool genug, nicht lässig…Wir wollen ständig was von ihnen.

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  2. Da ich keine Kinder habe, spreche ich hier in Erinnerung an meine Pubertät….und ich kann Euch sagen ich hab meinen Vater verbal schon sehr zerpflückt….habe ALLE in meiner Familie mit jugendlicher Arroganz gegenargumentiert und mit Verachtung gestraft….WARUM?
    Nun weil die Familie einfach zu nah dran ist…und das nervt, aber total….Familie ist immer da…gott-gegeben…und deshalb hab ich sie nicht als mitfühlende Wesen gesehen…sondern als Mecker-und Störeinheit…und zu meiner Schande muss ich gestehen ich habe mich geistig überlegen gefühlt…
    😦 es hat ein paar Jahre gedauert bis sich das wieder geändert hat….

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    1. Ja, ich erinnere mich auch daran, nicht immer rücksichtsvoll gewesen zu sein. Irgendwie gehört dieses „die Weisheit mit Löffeln gefressen“-Gefühl zum Abnabeln von den Eltern dazu. Sonst wäre die Welt da draußen vielleicht auch etwas zu beängstigend. Irgendwann kommt dann mit dem Alter die Erfahrung und die Weisheit 😉. Hoffentlich! Dann muss ich auch nicht mehr so oft genervt mit den Augen rollen…

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  3. ja genau…die Welt ist für die Jugendlichen beängstigend…alle Parameter ändern sich ständig und schnell in ihrem Leben…und wir Erwachsenen machen uns Sorgen über die Zukunft…das bekommen sie auch mit…also wird das Erwachsen-Werden im geschützten Kreis der Familie erprobt … aber auch diese Phase geht vorbei….irgendwann …

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