Neustart

08.11.2018

Der Ehemann ist seit vorgestern zuhause. Es ist schön. Und ein bisschen … uff. Nicht wegen des Ehemanns sondern aufgrund des Alltags. Die letzten drei Wochenenden war er schon hier, aber Wochenende ist halt Wochenende und Schultage sind Schultage.

Heute sollte er bis gegen 12:30 im Krankenhaus untersucht werden. Erst MRT, dann Augenarzt, danach Gespräch über das MRT, so der Plan. Pünktlich um 10:00 waren wir beim MRT. Dort gab es einen neuen Termin um 12:00. Da wäre der Ehemann aber noch beim Augenarzt der Klinik gewesen. Also erst zum Augenarzt und dort das Personal überredet, den Ehemann vorzuziehen.

Klappte erst nicht so richtig, weil der Ehemann schon immer ein recht Geduldiger war. Ich nicht. Ich ließ mir vom Ehemann die Erlaubnis geben, schwierig werden zu dürfen. Ich verstehe die Situation im Krankenhaus. Besonders in einem solchen, wo sehr viele Notfälle eingeliefert werden. Aber ich sah den Ehemann bald müde werden und hatte die Kinder im Kopf, die bald nachhause kommen und die Kleine, die mit ungeplanten Überraschungen (auch mit kleinen) gerade gar nicht gut klar kommt. Außerdem musste er ja bis um 12:00 fertig sein fürs MRT.

Ich verlangte also nur energisch die Aussage, ob es funktioniert oder nicht und ein bisschen dramatisierte ich den Zustand des Ehemannes, dass ich ihn nicht alleine lassen kann. Beim Helferpersonal kam ich nicht weiter. Die haben wohl ziemlich Übung im freundlichen Abrutschen lassen. Aber einmal sah ich einen Arzt in das Anmeldezimmer gehen und wiederholte meine Nummer. Der wurde neugierig und nahm die Akte des Ehemannes. Zwei Minuten später wurde der Ehemann aufgerufen. Und sehr gründlich untersucht. So gründlich und genau, dass wir es fast nicht mehr pünktlich zum MRT geschafft hätten.

12:02 waren wir aber da. Es dauerte ein bisschen … ewig. Also für mich, weil ich ja warten musste. Der Ehemann hatte ja Vorbereitung fürs MRT und MRT.

Danach noch in die neurochirurgische Ambulanz. Da gab es ein sehr vorläufiges Arztgespräch, weil der Arzt ja gar keine Zeit hatte, sich die MRT-Aufnahmen genau anzusehen.

Trotzdem konnte er schon feststellen, dass es wohl Bereiche gab, die das Kontrastmittel aufnahmen. Das erste Mal fiel das Wort „bösartig“. Vielleicht ist es nur Narbengewebe. Vielleicht sind es bösartige Zellen. Es gab eine kurze Info über eine Chemotherapie. Aber noch konnte der Arzt nichts genaues sagen. Der Ehemann bekommt jetzt alle zwei Monate ein MRT und es wird nach den sich auf den Aufnahmen zeigenden Veränderungen entschieden. Am besten wäre es, wenn es so bliebe wie es ist. Dann sind es wohl Vernarbungen.

Bis der Ehemann mit Medikamenten versorgt war, war es dann kurz vor drei.

Müde waren wir beide.

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14 Gedanken zu “Neustart

  1. Ihr scheint eine ähnliche Aufteilung zu haben, wie wir. Mein Mann auch viel zu ruhig und geduldig. Oft funktioniert es bei ihm aber besser, weil die Leute sich nicht so in die Ecke gezwängt fühlen. Erst wenn er nicht mehr weiterkommt, dann komme ich als Geheimwaffe 😉

    Wünsche Euch auch weiterhin alles, alles Gute!

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    1. Tatsächlich hatte ich auch das Gefühl, dass man ein bisschen Mitleid mit ihm hatte wegen mir, so dass es für ihn ein kleiner Bonus war 😉. Der Ehemann konnte vor der OP durchaus wohldosiert sehr durchsetzungsfähig sein, aber tendenziell weniger schwierig. Aber es verunsichert ihn jetzt, dass er Worte und Argumente nicht mehr so gut findet. Auf der Rückfahrt sagte er mir, er sei froh, dass ich das alles für ihn geregelt habe 😊.

      Gefällt 3 Personen

      1. Das stelle ich mir auch sehr schwer vor, wenn man plötzlich nicht mehr so eloquent ist. Da tut das bestimmt unglaublich gut, dass man jemand so Vertrautes und Durchsetzungsstarkes an seiner Seite hat. Meine Schwiegermutter nimmt mit zunehmendem Fortschritt ihrer Krankheit (sie wirkt nach außen sehr zerbrechlich und wird nicht mehr richtig wahrgenommen; mir graut echt vor meinem Alter, wenn ich das so sehe!), auch gerne meine „Schwierigkeit“ in Anspruch. Für mich eine völlig neue Erfahrung, früher wollte man mich immer brav haben und heute ist man dafür dankbar, dass ich nicht immer ganz so brav bin. Sollten wir am Ende die Gewinner sein? 😉

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  2. Hast du gut gemacht!
    Der (in dem Moment) Stärkere kämpft für den anderen mit.
    Und ich drücke auch fest die Daumen.

    Übrigens hatte der alte Chef meines Mannes bissel Manschetten vor mir, weil ich ihm aus der Notaufnahme heraus mal sehr bestimmt gesagt habe, dass ICH mich melden werde, wenn wir mehr wissen (die haben echt im Viertelstundentakt nachgefragt, ob der am nächsten Tag wieder arbeiten kommt).

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  3. Ich bewundere dich sehr für das, was du gerade alles tust. Im Prinzip hältst du die Familie zusammen, du bist der Mittelpunkt um den sich alles dreht, du hast die Kinder im Griff, den Ehemann, den Haushalt…. halte durch – du machst das gut!

    Gefällt 1 Person

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