Kleinkram-Mosaik

11.12.2018

Ich würde gerne mal wieder etwas hier schreiben. Mit flutschen auch viele Ideen durch den Kopf.

Aber irgendwie… es ist nur so’n Kleinkram.

Die murmelnden Männer in unserer Küche zum Beispiel. Nee, keine Gespenster, sondern ein verschlossener Gang zur Halle hinter dem Haus. Die Trockenbauwand ist ziemlich hellhörig, wodurch man manchmal denkt, da sind fremde murmelnde Männer in der Küche.

Mal wieder die Erkenntnis, dass eine Mischung aus Panik und Schuldbewusstsein einer vernünftigen Erziehung im Weg stehen. Keine Ahnung, warum Zwölfndrölfzigtausend Eltern ihre Kinder einfach so erziehen und ich immer wieder jemanden brauche, der mir hilft, weil’s alleine aus genannten Gründen nicht geht.

Ich vermisse das Expat-Leben. Da war es gar nicht so schwierig, eine Hausfrau zu sein, weil man gar nicht viel zu Hause war. Hier ist man tatsächlich zu Hause. Öde. Vermisse meine Arbeit. Bekomme gleichzeitig das Grausen, wenn ich mir vorstelle, wieder arbeiten zu gehen. Naja, die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen. Bald muss ich meinen Personalbearbeiter mal anrufen, wo man mich vielleicht so hinplant.

Immerhin schlafe ich seit einer Weile ohne Schlaftabletten. Definitiv ein Plus. Allerdings brauche ich ein Hörbuch oder ähnliches zum Einschlafen. Meistens nehme ich „ähnliches“ und höre mir Lieblingsfernsehserien über Knopf im Ohr an. Normale Hörbücher sind zu ruhig, da rutschen mir die Gedanken ja doch ab und ich kann vor Gedankenkreisen nicht einschlafen.

Der Ehemann und ich verbringen viel Zeit zusammen. Läuft gut. Nur den ersten Kaffee zu Hause verbringen wir getrennt. Er alleine im Wohnzimmer, ich in der Küche mit den murmelnden Männern. Ist ziemlich cool, wie oft wir auswärts frühstücken oder zumindest Kaffee trinken. Sagte meine Lieblingsschwester am Sonntag, dass sie keine Lust aufs Büro am Montag habe. Sagte ich zum Ehemann: „Apropos Montag… wo gehen wir morgen Kaffee trinken?“ Meine Schwester warf gefährliche Sachen nach mir.

Aus irgendeinem Grund bekam ich eine kurze „Ich möchte noch ein Baby“-Anwandlung. Kam wie angeflogen, verschwand zum Glück (s.o.) schnell wieder.

Weihnachtsbaum steht und wartet darauf, an Heiligabend geschmückt zu werden.

Die Kleine hat das Weihnachtsgeschenkeversteck erstöbert und es mir gleich danach erzählt. Ich war sauer. Und auch ein bisschen enttäuscht. Ich habe hier nicht viel Platz zum Verstecken. Und wenn sie ihrer Neugier schon nachgibt, soll sie doch dann einfach die Klappe halten. Das Verstecken und Überraschen ist meine kleine Weihnachtsgaudi.

Wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken. Hat Spaß gemacht, aber jetzt will sie keiner essen.

Der Große bringt mich auf die Palme. Auf ganz schön hohe Palmen. Ich kann aus o.g. Gründen selten gut damit umgehen und die Situationen eskalieren dann schon mal. Gestern verschwand er mal für eine Weile nach draußen wegen etwas was ich sagte. Er hatte ja recht, hätte ich so nicht sagen sollen. Das nervt mich total, dass ich dann Sachen sage, die man so seinen Kindern nicht sagen soll, die alles nur schlimmer oder erst wirklich schlimm machen und dann muss man einen Abend oder länger die Scherben aufkehren und hoffen, dass sich das wieder aufdröselt. Dem Ehemann gegenüber ist der Große gar nicht mehr so pubertär. Aber was sagte einer der Profis… da hat aufgrund der Einschränkungen des Ehemannes dieses pubertäre „auf Augenhöhe kommen“ schneller statt gefunden. Da ist gerade nichts zu rebellieren. Bei mir schon. Und ich komme aus verschiedenen Gründen (s.o.) nicht gut damit zurecht.

Die alte Katze hat einen fiesen Keim in den Atemwegen und muss gerade viel Medizin schlucken. Die Tierärztin sagte, dass Menschen, die kein geschwächtes Immunsystem durch HIV oder ähnliches haben, nicht von dem Keim erwischt werden können. Ich bin trotzdem panisch, jedes Husten, Schniefen, Niesen wird von mir beobachtet. Als Hypochonder sollte man wirklich keine Haustiere halten.

Tja, und bei Euch so?

Werbeanzeigen

18 Gedanken zu “Kleinkram-Mosaik

  1. Ich glaube, du wirst es gut hinbekommen mit deinem Großen! Vielleicht weißt du noch von dir selbst, dass man schnell was sagt und es doch (nicht wirklich) so meint. Eure Augenhöhe kommt schon noch, hauptsache ihr bleibt im Gespräch und könnt auch (gegenseitig) Fehler zugeben. Vielleicht ist eine (Teilzeit-) Beschäftigung gar nicht so dumm, es bringt dich vorübergehend aus der Schussbahn und die anderen wieder dazu, mehr Verantwortung zu übernehmen! Ich wünsche dir viel Glück bei allem, was ansteht und auch -trotz allem- etwas Vorweihnachtszauber!! Liebe Grüße Ingrid

    Gefällt 2 Personen

  2. Sehr schöner Text, finde ich – irgendwie beruhigend, zu lesen, dass du diese Mischung aus Groß-klein-bedeutend-einfach-so-gewichtig-alltagsschwer-und-zum-Lachen-bringend-eigenartig auch kennst!🙂 Sehr schön, die „flüsternden Männer“ in eurer Küche! Ich lese echt immer wieder gern bei dir mit! Lg, Sarah („Sunnybee“)

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich arbeite ja viel mit jungen Menschen zwischen 16 und 19 und ich verstehe was Du meinst. So einen richtig guten Rat habe ich nicht für Dich.Meine persönliche pädagigische Arbeitshypothese ist, dass evolutionsbiologisch im Kopf dieser Heranwachsenden ein Mechanismus greift, der bewirkt, dass sie sich jenseits aller Fakten völlig dazu in der Lage sehen, im Leben super zurecht zu kommen (unabhängig von ihren tatsächlichen Fähigkeiten). Sie können alles. Durchblicken alles. Halten Eltern für stressig und auf alle Fälle irgendwie zurückgeblieben und ahnungslos vom tatsächlichen Leben. Ich habe ständig die zukünftige Elite vor mir sitzen, die alles (besser) weiss und soll ihnen etwas erklären. Öhm ja.
    Ich bin überzeugt davon, dass kein Mensch ein schönes kuscheliges Elternnest verlassen würde, wenn er wüsste was wirklich auch ihn zukommt. Der junge Deutschstudent mit schlechtem Abi wird natüüüüürlich der nächste Dietrich Kronzucker. Der schlechte Schüler, der in seiner Freizeit irgendwas programmiert wird der nächste Mark Zuckerberg. Alles klar. Früher zog man in dem Alter in den Krieg. Würde man das wachen Verstandes tun?
    Mein Ansatz ist, ihnen ihre persönliche Realtitätssicht zu lassen. Es bringt nichts zu diskutieren. Fragte ich den Großen wohin die 2000 Euro gekommen seien, die ihm der Patenonkel zum Abi schenkte, antwortete er, ich solle doch mal nachdenken, was ich für ein Glück mit ihm gehabt hätte. Er hätte sein gut unterdurchschnittliches Abi relativ alleine geschafft (die Mathekurse durfte ich bezahlen) und nie habe er vor dem Abi Drogen genommen und nie hätte ich ihn bei der Polizei abholen müssen. Auch habe noch kein Mädchen versehentlich geschwängert und soweit würde es doch gut laufen bis auf das verschimmelte Geschirr in seinem Zimmer. Er wäre auch bereit sich um Ausbildung oder Studium zu kümmern – bald. Gerade ist er faktisch obdachlos aber soweit ich weiss studiert er noch, Ja tatsächlich würde ich eine Menge anders machen, aber ich halte meinen Mund so gut es geht und wende die gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg an. Sobald er 25 ist, wird es sich dahin entwickeln, dass seine und meine Logik wieder zusammenpassen. Und bis dahin murmele ich das Mantra der Eltern: “ Pass auf die Zähne auf, die waren echt teuer. Schrei einmal weniger ACAB und komm mit heilen Zähnen wieder“.
    Sie müssen ihre eigenen Fehler machen. Es wäre nicht notwendig. Aber es gehört zur Entwicklung dazu.
    Ja und man darf ihnen „dann mach halt wie Du denkst und Du wirst schon sehen“ hinterherrufen.

    Sicher bin ich auch geprägt davon, dass bei meinem Jüngsten, dem frisch erwachsenen Asperger Autisten die Entwicklung gerade sehr stagniert.
    Aber egal wie es ist, man muss es ein Stück weit hinnehmen und mit dem Arbeiten was möglich ist.

    Liebe Grüße
    Coreli

    Gefällt 1 Person

    1. 😂 Das ist wunderschön geschrieben. Und tatsächlich tröstlich.
      Hier ist so ein Thema die fehlende Körperhygiene. Alles in allem schaffe ich das „lassen“ ganz gut. Aber es macht mich kirre, wenn ich etwas im Haus riechen kann, das stinkt. Wenn er hier nicht wohnen würde, wäre mir der Geruch nicht so furchtbar. Dann käme ich vielleicht mit einem Kopfschütteln drüber weg, aber so… ich möchte Menschen, mit denen ich zusammen lebe, nicht auf Entfernung riechen können. Hier ist mir seine eigene Wahrnehmung inzwischen schnuppe, hier zählt meine. Er erklärte mir aber allen ernstes, dass es ihn kränkt, wenn ich sage, dass sein Geruch stinkt.
      Da ich mich in letzter Zeit vermehrt mit Familienprofis unterhalten habe, weiß ich, dass er im normalen Rahmen eines männlichen Pubertierenden ist. Und dass es mitunter schwierig ist. Ein Kinderpsychologe erzählte mir, dass er schon Therapie-Abbrüche angedroht hat, wenn der Junge beim nächsten Mal nicht geduscht hat, weil er als Therapeut nicht arbeiten kann, wenn er die ganze Zeit die Luft anhalten muss und gegen Würgereiz kämpft. Tatsächlich half mir diese Hilflosigkeit des Therapeuten in dieser Sache ganz gut durch, da selbst Profis bei so etwas an ihre Grenze kommen. Irgendwie ist es auch so albern bei uns. Alles läuft ganz vernünftig – außer Duschen! Und diese Tatsache frustriert mich maßlos. Mit der Faust gegen den Himmel steht man da: „WARUM?!!!“
      Diese „Ich weiß besser wie das Leben läuft“-Haltung von Jugendlichen ist auch genau der Grund, warum ich Lehrer bewundere. Wie halten sie das nur aus? In jedem Jahrgang wieder. Und wieder… ich denke aber gerne an mich selbst in dieser Zeit zurück. Dieses Gefühl, die ganze Welt in der Hosentasche zu haben. War schon eine geile Zeit. Ich gönne es ihm auch von Herzen. Ich möchte ihn dabei nur nicht riechen müssen!
      Liebe Grüße

      Gefällt mir

      1. Ja gelt? Das war eine geile Zeit damals! Ich dachte ich wäre der Chefkoch, weil ich mit Fixprodukten den sogenannten Würstchengulasch herstellen konnte. Oder mein „chinesisches“ Essen mit Fix für ebensolches. Da habe ich mal eine Mutter meines festen Freundes sprachlos gemacht (aber sie hat immerhin nicht gelacht). Und meine Mutter ich sags Euch…..die konnte garnichts!!!! Legendär meine Drama-Geschichten über ihr schleeeeeechtes Essen und ihren fuuuuuurchtbaren Fahrstil. Ich habe mich gaaaanz toll inszeniert.

        Jungs und Hygiene: da mein Großer in der Mittelstufe gemobbt wurde wegen seiner fettigen Haare (genetisch bedingt) konnten wir uns darauf beziehen. So nach dem Motto, dass wir ihn ja immer lieben und deswegen ihn darauf hinweisen, dass er riecht oder ungepflegt aussieht, damit nicht Andere sich hinter seinem Rücken mokieren. Aber ich kenn das Gefühl, wenn man ins Auto steigt und es vom Beifahrersitz her massiv riecht. Jetzt mit all den hübschen jungen Frauen in den Französischvorlesungen achtet der Große sehr auf sich nicht nug Hygiene auch Gewicht und Styling. Denn da ergeben sich viele Möglichkeiten zwischenmenschlich…..
        Der Kleine (Autist) reagiert noch auf: Du! gehst! Jetzt! Duschen! (Menno Mama). Aber da ist unser Thema Ohrschmalz (bis Gehörgangentzündung und HNO Besuchen) und verstopfen von Toiletten. Ganz tolle Sache wenn man davon nur Eine hat und nach Darmkrebs einen Reizdarm…..
        Als Lehrerin……naja ich reg mich trotzdem manchmal auf. Aber dann googel ich ehemalige Schüler und schau wohin das Manche geführt hat. Entweder sie haben sich geändert oder sie sind gescheitert. Dann klopf ich mir auf die Schulter und frag mich wie ein einzelner Mensch nur so viel Recht haben kann wie ich.😂😂😂😂

        Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.