Kochtopfweinen

25.12.2018

Heiligabend war gar nicht so schlimm. Ich war so sicher, dass ich in die Kochtöpfe weine. Meine Mutter hat immer in die Kochtöpfe geweint an Weihnachten. Alleine in der Küche („Nein, es braucht keiner helfen!“) weinte sie, während sie das Essen kochte.

Ich dachte, ich weine, weil doch gerade vieles irgendwie schwierig ist und ich dann auch noch zu allem irgendwie keine Geschenke bekomme. Unser pubertärer Grinch, der den ganzen Advent verweigerte, hatte nix für niemanden von uns. Der Ehemann hatte einen Einkaufsgutschein für mich, die Kleine ein wirklich süßes Päckchen mit Zeichnungen und so. Gutscheine zur Mithilfe im Haushalt verschenkt sie nicht mehr, seitdem ich sie konsequent einlöse.

Ich weiß, es kommt nicht auf die Geschenke an. Und man darf ein Grinch sein. Und ich bin eher schwer zu beschenken. Was ich will, dass kaufe ich und vieles will ich gar nicht, weil es mir einfach zu viel ist.

Nachher war es aber doch ganz schön. Die Kinder zogen sich tatsächlich an und erschienen nicht im Schlafanzug unterm Baum. Ja, Heiligabend ist bei uns ein sehr ruhiger Tag. Trotzdem – Schlafanzüge unterm Baum sind nur dann in Ordnung, wenn die Bescherung am Morgen des 25. statt findet. Und genau das war meine Drohung, falls ich einen Schlafanzug sehe: Geschenke erst am 25.!

Und der pubertäre Grinch namens „der Große“ war gar nicht so grinchig und machte beim „Damit nicht alle einfach nur Geschenke grabschen und aufreißen“-Spiel mit, bei dem jedes einzelne Geschenk begutachtet wurde. Für den Ehemann war es ein hartes Spiel, da man sich einen Weihnachtsbaumanhänger merken muss und diesen am Baum wieder finden muss. Manchmal gab einer von uns Tipps, aber es lief wirklich gut.

Und die beiden packten zusammen (!!!) ohne Streit (!!!) die Geschenketüte der Schwiegerdrachen aus, genauso wie das fast magische Päckchen der Patentante der Kleinen, das jedes Jahr mit wunderbaren Kleinigkeiten bestückt ist.

Die Kleine trat sofort (!!!) die Gummibärchen an den Großen ab und teilte alle anderen Süßigkeiten auch zur Hälfte (!!!).

Wir wunderten uns alle gemeinsam sehr über das Set aus Farbe und Leinwand, das die Schwiegerdrachen dem Großen schenkten. Die Kleine kaufte es ihm für 10€ gleich ab, beide Kinder zufrieden (!!!). Der Große bewunderte Geschenke der Kleinen, ohne (!!!) sie darüber zu zanken und zu ärgern.

Genauso fragte die Kleine den Großen in sehr großer Manier (!!!) sehr interessiert, was man denn mit dem Computerkrempel, den er sich gewünscht hatte, denn so machen kann.

Der Ehemann mochte seine Geschenke nicht so. Ich habe ihm therapeutisches Zeug geschenkt. Zum Beispiel was zum balancieren. Die Kleine liebt es!

Am Ende des Abends fühlte ich mich zufrieden wie schon lange nicht mehr. Mit dem Großen hatte ich noch eine sehr engagierte Diskussion darüber, wieviel des Weihnachtsgeldes er online ausgeben darf. Die Kleine mag das nicht, für sie ist es immer gleich Streit. Ich genieße es hingegen sehr, denn es tut gut, wenn der Große sich mal so richtig für etwas engagiert. Und mitunter sehr gut argumentiert. Und hartnäckig bleibt. Und trotz allem nicht mehr motzig wird.

Der Ehemann hielt gut durch, obwohl er abends früh müde wird. Und so nebenbei… im Moment ist alles gut! Die nächste Kontrolle ist erst in drei Monaten.

Und am Ende des Tages fühlte ich mich zufrieden. Die besten Geschenke kann man wirklich nicht unter den Weihnachtsbaum legen.

Ich wünsche Euch ebenso fröhliche Weihnachten und genauso schöne Geschenke!

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5 Gedanken zu “Kochtopfweinen

  1. Du Liebe, das hört sich doch gut an!!!
    Kochtopfweinen kenn ich auch, aber bringen tut’s halt nix!
    Freu dich über den (vorübergehenden) geschwisterlichen Frieden und das du deine Lieben alle um dich hast! Ich wünsche dir und deiner Familie frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr! Liebe Grüße Ingrid

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    1. Ja, ich denke mir, dass Kochtopfweinen an Weihnachten in einigen Familien Tradition hat. Und ich weiß nur zu gut, dass es nix bringt, weil ich es ja bei meiner Mutter gesehen habe. Ja, aber so war es echt schön.
      Ich wünsche Dir auch von Herzen frohe Weihnachten und eine schöne Zeit mit Deinen Lieben. Komme gut ins neue Jahr!

      Liebe Grüße 🌟

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  2. Bei uns war es auch sehr anstrengend und eng in der Küche der Ferien Wohnung, aber Männe half gut mit und dank Geschirrspülmaschine war es doch nicht soo schlimm. Und die Geschenke waren durchaus gut. Zum Teil teure Dinge, dann lieb gemachte kleine Dinge von Herzen.
    Ansonsten gerade völlig kaputt vom Skifahren mit meinem Ältesten zurück.

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