Lange Geburten mit viel Warterei

04.12.2018

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Weihnachten eigentlich 12 Tage dauert. Vom 25.12. bis zum 05.01. Daher auch das Lied „Twelve days of Christmas“. Im deutschsprachigen Gottesdienst in Polen erklärte der Pfarrer sogar, dass Polen eine päpstliche Ausnahmegenehmigung hätte, Weihnachten noch länger zu feiern, weshalb wir dort noch in der zweiten Januarwoche Weihnachtslieder im Gottesdienst gesungen haben.

Aber egal… kommen wir zurück zum langen Weihnachten. Maria hatte dort im Stall hoffentlich eine kurze und unkomplizierte Geburt.

Hier gab es eine ziemlich schwere Geburt. Nämlich als die Kleine das erste Mal den Zettel mit der Einladung für die Teilnahme an der Sternsingeraktion mit nachhause brachte.

„Ich mache da mit!“ erklärte sie mir freudestrahlend. Wir füllten die Anmeldung gemeinsam aus und hängten sie an die Kühlschranktür, um sie im Laufe der zweiwöchigen Anmeldefrist persönlich einzuwerfen. Nach drei Tagen erklärte sie eher zögerlich, dass sie doch nicht mitmachen wolle. Sicherheitshalber ließen wir die Anmeldung hängen. Am nächsten Tag erklärte sie entschieden, nicht mitzugehen und wir zerrissen den Zettel und versenkten ihn im Altpapier.

Dann kam sie kurz vor Ende der Anmeldefrist und kurz vor Weihnachten erneut mit dem Anmeldezettel um die Ecke und sprach begeistert davon, wer aus ihrer Klasse mitmachen würde. „Ich will da mitmachen!“ erklärte sie wieder.

Da die Anmeldefrist bald ablief, fragte ich: „Bist Du Dir sicher?“ Sie strahlte mich an: „Ja!“ Wir füllten die Anmeldung aus und schickten sie gleich per Email los.

Dann kehrte Weihnachtsruhe ein. Nach Weihnachten musste sie dann mal mit mir reden. Sie wollte vielleicht doch nicht mehr teilnehmen.

Jetzt kam ich ans Abwägen und Trudeln. Ja, sie ist im Moment sehr unsicher, wenn etwas neues ansteht. Aber sie wollte es wirklich. Früher nahm sie jedes Angebot mit Begeisterung war. Seit einigen Monaten hat sie mit Ängsten zu kämpfen. Aber eigentlich ist sie immer noch leicht zu begeistern. Aber genauso leicht fällt sie jetzt in Ängste.

Ich zwinge mein Kind zu nichts, was solche Aktionen angeht. Aber ich fordere, eingegangene Verpflichtungen zu erfüllen. Wo ist der richtige Mittelweg zwischen ihren Ängsten, ihrer Begeisterung und eingegangenen Verpflichtungen? Was tut ihr dann tatsächlich am Ende gut, was wird eine Qual?

Ihre Befürchtungen, manchmal auch die Panik, kamen in Wellen. Ich vertröstete sie erst einmal. Ist ja noch lange hin. An Silvester war ich dann soweit, abzusagen. An Neujahr fand sie aber dein Zettel mit ihrem Text, ihrer Rolle und den Namen ihrer Gruppenmitglieder im Briefkasten. Auf einmal war sie wieder begeistert. Lernte den Text, schaute YouTube-Videos über Sternsinger, trällerte das Sternsingerlied.

Gestern Abend weinte sie. Und weinte und weinte. Wenigstens ohne Übergeben vor Aufregung. Schwacher Trost, aber hatten wir schon so oft.

Jetzt weigerte ich mich, doch noch abzusagen. Schließlich sei ihre Gruppe eingeteilt. Und sie sei die Verpflichtung jetzt eingegangen. Sie habe den Text gelernt. Sie sei vorbereitet und sie sei nicht krank. Man verließe sich jetzt auf sie.

Immerhin schlief sie gestern Abend doch ein. Heute wurde es noch einmal schlimm. Mit Wut und Weinen wehrte sie sich. Am Ende verließ sie zwar nicht ganz zuversichtlich und etwas missgelaunt, aber doch ganz ruhig das Haus mit mir zur Sternsingervorbereitung.

Ihre Bedingung: Ich muss da bleiben. Die ganzen vier Stunden lang.

Uff. Jetzt sitze ich hier wie die Helikoptermutter schlechthin. Die Betreuer sind erst eine Weile um mich herum geschlichen, bis die Oberbetreuerin mich ansprach. Nachdem ich unsere Geschichte der letzten Monate erzählt habe, gab es viel Verständnis.

Aber ach, was für eine schwere Geburt!

Werbeanzeigen

6 Gedanken zu “Lange Geburten mit viel Warterei

    1. 😂 Zusammengefasst: Wir hatten am Morgen des eigentlichen Sternsingertages noch ein rechtes Drama hier. Schreien, Weinen… diesmal ging mir ganz schnell die Geduld aus und ich habe sie fast hingeschleift. Ich tappte dann zwei Stunden mit der Gruppe mit und sie machte es echt gut. Am Abend holte ich sie überladen mit Süßigkeiten ab, ihre Gruppe hatte an die 300€ gesammelt. Sie strahlte mich an und sagte: „Da mache ich nächstes Jahr wieder mit!!!“ 🙄

      Gefällt 2 Personen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.