(W)LAN-Kriege

18.07.2019

Kennt Ihr Homer Simpson. Die Folge mit dem Krusty-Park?

Da wird der Krusty-Freizeitpark eröffnet und die Kinder nerven Homer, dass sie fahren möchten. Homer sagt: „Nein!“

Das geht dann so:

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

„Fahr’n wir in den Krusty-Park?“ – „Nein!“

Und irgendwann kommt es wie es kommen muss… Homer sagt:

„Ja!“

Es unterscheidet mich viel von Homer Simpson. Ich bin nicht gelb, sehr wählerisch bei Bier, mag keine rosa Donuts mit Zuckerstreuseln, habe weniger Bauch, mehr Busen und auch mehr Haare.

Aber ich habe so eine Tendenz, dass wenn die Kinder mich immer wieder fragen, ich vielleicht irgendwann doch mal „Ja!“ sage. Ich denke dann: „Wenn es dem Kind so wichtig ist, dass es so hartnäckig bleibt…!“ und schon hat es mich. Wenn ich das denke, habe ich schon einen Fuß in der Falle. Manchmal denke ich, ich sollte das Thema verbieten, aber ich möchte den Kindern nicht verbieten, beharrlich nach etwas zu fragen, dass ihnen wichtig ist.

Bei uns läuft die Diskussion etwas angeregter als bei Familie Simpson. „Warum denn nicht?“ ist mein großer Stolperstein. Haste keine echte Argumente dagegen, gibt es halt keinen echten Grund für ein „Nein!“

Wir haben ziemlich schnelles Internet hier. Also, schneller geht immer, aber so für ländlichen Raum sind wir hier sehr schnell. Auch der Große gibt zu, dass es schnell ist. Wir können aber nur ein Zimmer mit LAN ausstatten (in unserem Fall das Wohnzimmer mit dem smarten Fernseher und dem elterlichen Computer) und die restlichen Zimmer haben WLAN. Der Große spielt so datenleitungsfressende Onlinespiele, was schon der Grund ist, warum wir das schnellste mögliche Internet haben. Damit er spielen kann und es bei uns nicht ruckelt. Jetzt möchte er den LAN-Anschluss haben und wir sollen alles über WLAN machen. Denn das WLAN-Netz genügt nicht seinen Ansprüchen für’s Spielen. Ein Nadelöhr für’s schnelle Internet. Bei ihm ruckelt’s.

Ich stehe auf argumentativ sehr dünnem Eis. Ich will das einfach nicht. Ich bin so ein bisschen motzig trotzig. Unser Internet. Wir bezahlen das. Meins!

Er hat wahrscheinlich Recht, dass es für unseren Datenverbrauch keinen Unterschied macht, für seinen aber schon.

Was mich auch ins Schleudern bringt, ist die dicke Meta-Ebene, die sich unter meinem „Nein!“ versteckt. Wie schon in früheren Beiträgen geschrieben, läuft es nicht so toll mit ihm und uns. Sein Antrieb ist gerade für alles ziemlich schwach, Kommunikation jenseits der (W)LAN-Frage gleich Null. Sein Ranzen roch letzte Woche wie ein vor langer Zeit verendetes Tier, aber es war nur irgendetwas vergessenes Essbares. Es stank bis zum Würgereflex. Ihm fehlt noch die Bescheinigung über das Praktikum, aber es ist furchtbar anstrengend, mal eine Nachfrage-Email zu schreiben.

Das alles steckt auch in meinem „Nein!“ Und das mag ich gar nicht. So kleinkariert. Direkt argumentativ hat’s ja nix miteinander zu tun. Es ist nur so menschlich-mütterlich verständlich. Ja, ich sagte ihm sogar schon: „Dann zieh halt aus und mache Deinen eigenen Internet-Vertrag.“

Unterste Mütter-Kiste, auch hier schwang auf meiner Seite eine dicke Meta-Ebene mit: „Du wirst ja sehen, wie es ist, alles alleine zu managen und zu bezahlen!“ Und es schwang auch noch mit, dass ich dann seinen Schulranzen nicht mehr riechen muss. Und einiges andere auch nicht so live mitbekomme.

Das Tragische ist… diese Meta-Ebene der Kommunikation gibt es für ihn gar nicht. Er möchte den LAN-Anschluss und Mama sagt „Nein!“ Er hätte also diesen ganzen Blogbeitrag in vier Zeilen geschrieben.

So, ich gehe jetzt in die Badewanne, obwohl es mitten am Tag ist. Die Tür vom Bad kann ich nämlich abschließen!

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8 Gedanken zu “(W)LAN-Kriege

  1. Also warum du am Ende nachgibst weiss ich nicht. Aber warum habt ihr nur in einem Zimmer LAN? Das verstehe ich nicht. Das Einfachste wäre doch, vom Hauptzimmer in irgend einem versteckten Eck ein Löchlein durch die Wand zu bohren. Dann ggf einen Switch dazwischen wenn ihr mehr Verzweigungen braucht. Also von GamerMutter zu GamerMutter kann ich dir sagen, dass man da schon auch unterstützen muss, wenn man am Ende der Schulzeit so gloreiche Ehrungen wie mein Johannes einheimsen möchte als „Schüler, der am häufigsten im Unterricht eingeschlafen ist“.

    Aber Spaß beiseite…… mein Erziehungsstil ist ……. nein nicht „laissez-faire“ sonder „laisse moi tranquille“. Sogar meine Hairstylistin (ex-punk und von der Schule geflogen) gab mir zu verstehen, dass sie mich für zu entspannt hält als Mutter…..
    Keine Ahnung. Finde heraus was wirklich in deinem Leben ( jenseits von allen Erwartungen der Gesellschaft an dich als Mutter) die höchste Prio hat. Und dann zieh das durch. Und wenn es heisst, bicht die letzte Konsequenz durchzuziehen sondern mehr Ruhe für dich dann ist das völlig in Ordnung.
    Lg

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    1. Die Bohr-Idee kam von ihm auch schon, aber da fällt mir es ganz leicht „Nein“ zu sagen. Ich habe eine tiefe Abneigung gegen Durchbohrungen von Decken und Wänden. Wir haben Internet über Kabel, da hängt die LAN-Dose halt nur in einem Zimmer. Hätten wir über die Telekom, läge schon ein Anschluss in jedem Zimmer. Da er einen Kabelanschluss bei sich hat, könnte er tatsächlich die LAN-Dose in seinem Zimmer haben. Aber gerade will ich nicht. Wenn der Rest in seinem Leben mal weniger ruckelt, können wir mal über Ruckel-Vermeidung im Internet nachdenken. Wenn er wenigstens das andere Ruckeln mal wahrnimmt 😩.

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        1. Ich hätte nicht gedacht, dass Du noch so optimistisch bist, was Teenager angeht 🤣🤣. Ich glaube nicht dran. Aber irgendwie schafft es mir minimale Erleichterung, auch mal stur zu bleiben 🤪.

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        2. Ohne eine gewisse hoffnungsfrohe Grundnaivität kann man meinen Job nicht machen. Das Licht am Ende des Tunnels muss nicht zwingend ein entgegenkommender Güterzug sein. Und wenn heute Nachmittag mein Großer so ganz spontan zum Kaffee trinken vorbei kommt kann es auch sein, dass er gerne mal wieder seine Mutter sehen möchte. Es muss nicht zwingend um Zwangsexmatrikulation, Rauswurf aus der Wohnung, nicht begleichbare Schulden oder die Antifa Liste gehen, die der AFD-Politiker gerade veröffentlicht hat. Hab ich was vergessen an Horrorszenarien? Krebsdignose, anstehender Gerichtsprozess wegen Widerstand gegen Polizisten,

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  2. Oh, so schwierig! Aber du reflektierst dich und bist dir bewusst, um was es eigentlich geht. Habe auch einen Teenager zu Hause und muss ständig argumentieren. Ich persönlich halte von solchen Games rein gar nix und ziehe da auch meine Haltung durch. Grade wenn er sich immer mehr zurückzieht und nicht kommuniziert, hätte ich damit Probleme, ihm noch einen besseren Internetzugang zu ermöglichen. Auf der anderen Seite läufst du mit der großen Belastung eh schon am Limit, da braucht man dies nicht auch noch und braucht für sich selbst Erholungs- und Ruhezeiten. Versuche einfach mit ihm im Gespräch zu bleiben. Vielleicht kann man einen Deal aushandeln, mit dem ihr beide happy seid. Alles Liebe 💕

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  3. Sag es ihm doch einfach direkt. Dass du nicht einsieht ihm das LAN zu geben, wenn er bei anderen Dingen nicht aktiver wird. Dass du bereit wärst darüber nach zu denken wenn sich hier und da etwas ändert. Z. B keine Toten essensreste im Ranzen und etwas mehr Engagement. Das sollte ihn nicht grob überfordern und er ist wohl alt genug deine meta Ebene zu begreifen, 😅

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