Corona-Chroniken: Putzfrauen-Wünsche

14.11.2020

Manchmal wünsche ich mir wieder eine Putzfrau. Wieder nachhause kommen und alles ist sauber.

Aber eigentlich möchte ich keine Putzfrau mehr. Es zwingt einen Rhythmus auf, den wir gerade mit drei von vier Personen zu 100% zuhause viel heftiger spüren würden, als damals, als sie kam, während wir alle unterwegs waren.

Ich versuche es auch hier mit Akzeptanz.

Heute waren Wohn- und Esszimmer dran. Der Ehemann und die Kleine halfen beim Hochräumen als der Große für sein Frühstück erschien. Er schaute auf den (weil Stühle und so alles hochgeräumt waren) sehr sichtbaren sehr schmutzigen und vollgekrümelten Boden, stutze und fragte: „Was ist denn hier passiert?!“ Ich wunderte mich, was er meinte. „Wir haben zum Staubsaugen den Boden freigeräumt.“ sagte ich. „Nein,“ antwortete er mir, „ich wollte wissen, warum es hier so dreckig ist!“

Tja, mein Großer, so sieht es in einem quasi 24 Stunden bewohnten Wohnzimmer aus, wenn man mal anderthalb Wochen nichts macht.

Life lessons.

Ich klopfte mir trotzdem auf die Schulter, dass es wohl normalerweise nicht so schlimm aussieht.

Ich habe gesaugt, geräumt, entstapelt und weggeworfen. Viel besser. Und in jungen Jahren hatte ich mal eine Ameisenstraße zu den Krümeln unter dem Sofa, weil ich viel länger als anderthalb Wochen nicht gesaugt hatte. Davon sind wir derzeit meilenweit entfernt.

Die Küche allerdings habe ich zu aufgegebenem Gebiet erklärt und heute als Endlösung eine neue bestellt. *

Joah, es ist chaotisch und zugekrümelt, und wer bei uns vom Boden essen möchte, findet da immer was, aber ich bin ganz zufrieden, wie es läuft. Die Kinder helfen auf Anfrage ** (manchmal auch auf einen Befehl hin), der Ehemann kämpft trotz Chemo-Müdigkeit mit, und meckern tut auch keiner, wenn es kein warmes Abendessen gibt, weil ich an einzelnen Tagen keine Lust habe zu kochen.

Also irgendwie schaffe ich es zu akzeptieren, dass ich nicht alles schaffen kann, und mich darüber nicht verrückt zu machen. Wie immer finde ich auch das nicht toll, aber es ist okay, denn ich bin in verrückt nicht zu gebrauchen.

Also freue ich mich, wenn es sauber und aufgeräumt ist und akzeptiere das Chaos. Wie schlimm wäre es, wenn sauber und aufgeräumt das Normal wären und mich jedes Chaos in Untiefen stürzen würden! Dann lasse ich lieber das Chaos normal sein und jedes Mal etwas aufgeräumt zu haben bringt mich ins Plus. Das ist viel energieschonender.

Nach dem Aufräumen sieht es aus wie vor dem Aufräumen; es liegen nur einige Stunden dazwischen. Beate Milewski

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* Zu meiner Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass diese Küche von den Vorbesitzern des Hauses stammt und ich sie in den letzten siebzehn Jahren zu hassen gelernt habe. Deshalb haben wir endlich Nägel mit Köpfen gemacht und eine neue Küche bestellt. Das erfordert jetzt noch eine ganze Reihe weiterer Arbeiten, so was wie neue Deckenverkleidung, eine Steckdose für den Kühlschrank an neuer Stelle und tapezieren, aber dann haben wir wieder eine Küche, die ich wohl wieder regelmäßig reinigen möchte. Der Küchenmann war über meine schnelle Entscheidungsfreude sehr verwundert, aber nach der alten Küche weiß ich sehr genau, was ich nicht mehr möchte. So ging das Finden der Entscheidungen darüber wie von alleine.

** lasst Euch nicht irritieren, dass der Große nicht half, als heute alle halfen, er nimmt mir die Kleine immer dann im Homeschooling ab, wenn wir die Wir-schreien-uns-nur-noch-an-Eskalationsstufe erreicht haben. Das ist ein unbezahlbarer Beitrag seinerseits. Auch wenn ich schon mal in ein Kissen gebissen habe, um nicht laut zu schreien, weil sie bei ihm total mitarbeitsbereit, fleißig und kommunikativ ist, während sie mich anschreit. Und das war erst die erste Woche im Homeschooling)

6 Gedanken zu “Corona-Chroniken: Putzfrauen-Wünsche

  1. Esszimmer und Wohnzimmer sehen bei mir auch nicht gerade prickelnd aus. Ich kenne das nur zu gut. Mein Mann unterstützt mich so gut er kann. Und das obwohl er arbeiten geht.
    Ne Putzfrau hab ich hin und wieder mal für Fenster zu putzen. Alles andere versuche ich alleine zu machen. Kriege es aber nur beschwerlich hin. Wir haben es akzeptiert. Es ist wie es ist.
    Du siehst, es ist anderswo nicht anders.
    Hab einen schönen Sonntag mit deiner Familie. 😘

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  2. Ich finde, es muss nicht immer alles total aufgeräumt sein, dann lieber mal entspannen, dass bringt einfach mehr. Eine neue Küche steht auch auf unserem Plan, die alte sieht nicht mehr wirklich gut aus.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche, und bleib gesund.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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