Noch zwei Wochen…

05.12.2020

Noch zwei Wochen, dann habe ich drei Wochen Urlaub.

Keine Arbeit im Homeoffice für mich und kein Homeschooling für die Kleine.

Pause…

Ich bin so pausenreif. So langsam muss ich mir selbst eingestehen, dass ich eine „pflegende Angehörige“ bin. Und nach einem Gespräch mit meiner Hausärztin, bin ich wohl pflegender als ich bisher meinte. Jetzt grübele ich über die nächsten Schritte nach…

Der Ehemann ist immer noch der Ehemann. Manche Wesenszüge verstärken sich. Zum Glück die liebenswerten. Ich lese im Internet von erkranken Angehörigen mit Wesensveränderungen oder verstärkten negativen Wesenszügen.

Der Ehemann wird immer geduldiger. Immer ausgeglichener. Auf der einen Seite immer pflegeleichter. Aber auf der anderen Seite macht es mir das auch schwerer. Er sagt mir nicht, wenn er gefallen ist, wenn er Hilfe braucht, wenn er Hunger hat. Ich muss also immer schauen, was gerade Sache ist. Das ist sehr viel Verantwortung und mitunter sehr mühsam. Manchmal habe ich einfach das Gefühl, nicht schnell genug zu sein.

Der Ehemann wird auch immer pünktlicher, da ist nichts mit geduldiger. Ich bin nicht pünktlich. Ich reize alles gerne bis zum letzten Moment aus und komme dann gerne ein bisschen zu spät leicht gehetzt um die Ecke geflogen.

Der Ehemann musste sich daran sehr gewöhnen. Er ist so ein fünf-Minuten-vor-der-Zeit-Mensch. Ich bin ein fünf-Minuten-zu-spät-Mensch. Wir kamen uns entgegen. Er wurde ein bisschen später, ich ein bisschen früher, dann waren wir quasi superpünktlich. Jetzt kann er das nicht mehr locker lassen. Jetzt drängelt er schon immer sehr früh zum Aufbruch. Ständig muss ich ihn beruhigen und bremsen, dass noch Zeit ist und wir z.B. beim Arzt sonst nur draußen vor der Praxis warten müssen. Aber oft gebe ich nach, weil es einfach nichts bringt. Ich verbringe die verbliebene Zeit dann mit Beruhigung. Das nutzt nix. Deshalb machen wir uns einfach vorher los.

Die Hausärztin ist lieb. „Wenn es nicht mehr geht, rufen Sie an, dann bekommen sie sofort eine Krankmeldung ohne weitere Untersuchung.“

Aber die Arbeit ist dabei der am wenigsten anstrengende Teil. Wenn meine Zeit fürs Büro um ist, stelle ich die Rufumleitung aus dem Büro auf mein Mobiltelefon aus, fahre den Rechner runter und bin fertig.

Zuhause ist nie fertig. Zuhause ist nur „Jetzt kann/mag ich nicht mehr.“ Aber trotzdem ist noch alles da.

Aber für die Arbeit gibt es eine Krankschreibung. Für zuhause nicht.

6 Gedanken zu “Noch zwei Wochen…

  1. Dir steht auch Hilfe zu, in Form von Geld und Sachleistung, oder?
    Schon mal überlegt, solche Termine wie Arzt, Therapie oder sonstiges über und von jemand anderen erledigen zu lassen? Schont ja auch deine Nerven und entlastet.
    Eine Haushaltshilfe? Um zumindest auch hier etwas Ruhe zu bekommen …

    Ach man, ich versteh dich. Es reicht irgendwann und man fühlt sich verschlungen.
    Ich schick dir etwas Kraft 🍀

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    1. Über eine Haushaltshilfe denke ich schon nach, aber ich weiß auch aus Erfahrung, dass Putzhilfe mit Familie zuhause eine ziemlich anstrengende Sache sein kann, weil man irgendwie umeinander herumturnt, also eine Persona mehr, auf die man Rücksicht nehmen muss. Es war okay, als wir alle außer Haus waren und sie 90% alleine im Haus war. Aber Putzhilfe, Homeoffice und Homeschooling zugleich hat was alptraumhaftes. Ich habe mal gelesen, dass jemand über einen Pflegedienst einen wöchentlichen Spaziergang organisiert hatte. Das wäre super. Das Aktivieren des Ehemanns ist nämlich zeitintensiv. Hier fehlen auch alle Besuche von Freunde und Familie sehr. Die Arztbesuche kann ich nicht abgeben, da ich sonst nicht alles erfahre. Therapien macht der Ehemann zum Glück noch selbständig, es sind ja über lange Zeit eingelaufene Wege. Eine Bügelhilfe habe ich. Sie holt die Bügelwäsche ab und ein paar Stunden später ist sie gebügelt zurück. Die ist Gold wert. Ich könnte töten für einen Lieferdienst vom Supermarkt. Aber inzwischen gibt es hier „Click and collect“, was mir unheimlich Zeit erspart für den Wocheneinkauf, wenn ich denn dazu komme, alles früh genug zu planen.

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  2. Fühl dich gedrückt! Vielleicht kannst du ja über die Zeitung oder ein Netzwerk (wie z. z. B. Kirche oder ähnliches) fragen, ob jemand 1-2 Nachmittage Zeit hat, mit deinem Mann etwas „zu unternehmen“!? Wenn jemand nicht „da“ ist (und das kann auch Zuhause statt finden), reicht es manchmal schon, damit der Kopf Erholung findet! Liebe Grüße Ingrid

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  3. Unser „Pflegedienst“, der hauptsächlich nur wegen dem Pflegegespräch hier ist, bietet auch so einen „Betreuungsservice“ an. Also Spatzieren gehen etc., in der nahen Kreisstadt sah ich die Tage, das sie dort ein „Betreuungspunkt“ eingerichtet haben.

    Bleibt einfach festzuhalten, das Corona ein Arschloch ist und das Leben unnötig schwer macht.
    Halt die Ohren steif 🍀

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