Mal wieder Chemo

15.01.2020

Der Alltag ist gerade kompliziert. Wäre schon gut, ich könnte drei Köpfe und acht Hände haben. Und der Tag sollte auch ein Upgrade bekommen. 24 Stunden ist schon knapp kalkuliert. Und wieso kann man nur an einem Ort gleichzeitig sein? Das macht so evolutionär doch überhaupt keinen Sinn.

Homeoffice und Homeschooling und den Ehemann betreuen, nebenbei Haushalt und Haustiere und so ganz nebenbei auch noch ich passen kaum in den Tag.

Durch die Chemotherapie wird alles noch mal knapper. Wöchentliche Blutabnahme, häufigere Blutabnahmen wenn die Werte unter ein bestimmtes Level rutschen, Hausarzt, und dann die Marathontage im Krankenhaus mit MRT und dazugehörigen Gesprächen.

Das letzte MRT hinterließ gemischte Gefühle. Der Tumor ist nicht weiter ins gesunde Hirngewebe eingewachsen und hat somit nicht weiter zerstört. Das ist gut. Denn es heißt, dass ihm die Chemo was ausmacht. Aber er ist am anderen Ende weitergewachsen in einen Ventrikel (eine Art „Hohlraum“ im Gehirn). Damit hat er nix kaputt gemacht, ist aber trotzdem schlecht, weil er gewachsen ist. Da man wie bei Schrödingers Katze nur den Zustand in dem Moment erfassen kann, in dem man die Kiste öffnet, kann man im MRT nur sehen, ob der Tumor im Vergleich zum letzten Mal größer geworden ist. Man kann nicht sehen, wann er gewachsen ist. Ist er zu Beginn der Chemo noch in den Ventrikel gewachsen? Ist er während der ganzen Zyklen gewachsen? Ist er nur in den Pausen gewachsen? Ist er von Zyklus zu Zyklus weniger gewachsen? Ist er vor kurzem stärker gewachsen als in den Zeiten davor?

All das spielt eine Rolle bei der Beurteilung, ob die Chemo eine längerfristige Wirkung haben könnte.

Immerhin ist das Ergebnis gut genug, um die Chemo trotz Nebenwirkungen fortzusetzen. Denn der Tumor ist aggressiv, und diese Aggressivität und die damit einhergehende Zerstörung ist zunächst ausgebremst.

Also erst einmal fühlt es sich an der Stelle, an der ich gerade bin, ganz gut an. Das Chemogift ist nicht umsonst. Aber die Kiste mit der Zukunft drin möchte ich noch nicht mal mit gedanklichen Möglichkeiten öffnen. Zu ungewiss ist das Ergebnis. Aber für heute ist das Ergebnis erst einmal … nee, „gut“ kann ich nicht schreiben. Aber „gut genug um nicht schlecht zu sein“ passt, denke ich.

10 Gedanken zu “Mal wieder Chemo

  1. Ach herje, es ist ein Kreuz (im wahrsten Sinne des Wortes) für dich/euch ! Ich wünsche euch allen ein gutes Miteinander, ein gutes Fürsichselbst und ein gutes Hier im Jetzt! Fühl dich umarmt 🙏

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  2. ja da müsstest Du schon eine Krake sein um alles gleichzeitig erledigen zu können…und ein paar Stunde mehr am Tag, wäre wirklich nicht verkehrt 🤗….ich mag den Satz „gut genug, um nicht schlecht zu sein“….das beschreibt wie fragil alles ist …pass auf Dich auf 🌼

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