Auf den Kopf gestellt

27.02.2021

Gerade steht alles auf dem Kopf.

Einlieferung in die Notaufnahme. Der Ehemann ist stationĂ€r. Aufgrund des Hilfebedarfes und der „keine-Besuche-wegen-Corona“-Situation bot man mir an, mich mit aufzunehmen.

Ich hatte ja Sorge, dass ich einem onkologischen Patienten ein Bett wegnehme, aber die Infrastruktur des Krankenhauses ist etwas veraltet. Zwei Zimmer teilen sich eine Toilette. Eine Toilette darf aus hygienischen GrĂŒnden (unabhĂ€ngig von COVID-19) nur von drei Personen benutzt werden. Also ist eines der beiden Zimmer immer gezwungenermaßen ein Einzelzimmer. Ich habe dann halt die Besuchertoilette auf dem Flur zu benutzen, aber mit Camping-Erfahrung ist das gar kein Problem…

Ich musste das alles furchtbar schnell organisieren. Mit Kindern und so. Aber lÀuft. Wir sind jetzt seit 10 Tagen hier und es funktioniert. Freunde machen den WÀscheservice und liefern uns auf Zuruf alle Kleinigkeiten, die wir benötigen.

Weil der Ehemann u.a. Husten hatte, galt er bis zum Beweis des Gegenteils als COVID-19-Verdachtsfall. WÀhrend wir alleine im COVID-19-Verdachtsraum waren, nachdem die ersten Untersuchungen gelaufen und die ersten Behandlungen eingeleitet waren, riss durch eine blöde Bewegung sein Katheter-Schlauch.

Das Blut spritzte nur so aus der Nadel, die ja noch in der Vene steckte. Die Krankenpfleger und Ärzte mussten sich erst noch in die PSA einpacken und riefen mir nur zu, die Vene auf der Nadel abzudrĂŒcken.

Leute, was man alles kann, wenn man muss… nachdem die Profis ĂŒbernommen hatten, sackte mir dann der Kreislauf weg. Aber die Profis halfen mir dann auch.

Als der Ehemann nach dem ersten COVID-19-Test dann negativ war, aber immer noch hustete, kam er nach einigem Warten zum CT, wo die Lunge nach Anzeichen einer tief sitzenden COVID-19-Infektion abgesucht wurde. Als das ebenfalls negativ war, erklĂ€rte mir der Ober-Infektiologe, dass er den Ehemann eigentlich (wegen des immer noch vorhandenen Hustens) auf seine Station nehmen mĂŒsse und die onkologische Station erst in Frage kĂ€me, wenn er zwei Tage spĂ€ter im nĂ€chsten COVID-19-Test negativ wĂ€re. Er wĂ€re aber genauso eigentlich dafĂŒr, dass der Ehemann direkt auf die onkologische Station kommt. DafĂŒr benötige er aber den Ober-Onkologen, der wiederum gerade nicht greifbar sei. Deshalb mĂŒsse der Ehemann in der NA warten, bis der Ober-Onkologe ja oder nein gesagt hat.

Am Ende sagte der Ober-Onkologe ja und ich bekam gleich ein Bett mit aufgebaut ind wurde auch COVID-19 getestet.

Die Pflege des Ehemanns mache ich hier im Krankenhaus unter den wachsamen Augen des Personal selbst. Das ist gut, so konnte ich sehr genau durch ausprobieren bestimmen, welche Hilfsmittel wir zuhause benötigen und das Pflegepersonal um ihre Tipps fragen, wenn ich was nicht alleine hin bekommen habe.

Es fĂ€llt mir sehr leicht, mich um den Ehemann zu kĂŒmmern. Aber ich habe tiefen Respekt vor den Pflegern und Pflegerinnen hier, die jeden liebevoll mit Geduld und Humor hier auf der onkologischen Station pflegen. Und auch fĂŒr mich immer ein offenes Ohr haben.

Es geht wieder langsam aufwĂ€rts mit dem Ehemann. Alle Werte werden besser, so langsam fĂŒhlt er sich auch nach den besseren Werten. Vielleicht (*klopf-auf-Holz*) wird er am Montag entlassen und wir können wieder nachhause. Noch ein kleiner Eingriff am Sonntag, der fĂŒr die Fortsetzung der Chemo nötig ist. LĂ€uft das wie geplant, ist am Montag Abflug (*klopf-klopf-klopf-klopf-klopf-klopf-klopf-auf-Holz*).

DrĂŒckt uns die Daumen!!!

9 Gedanken zu “Auf den Kopf gestellt

  1. Von mir auch!! Es ist schon der Wahnsinn, was man/Frau alles hinkriegt, wenn es nötig ist! Trotzdem Chapeau, denn das war sicher mit den Kindern zu Hause und Mann im Krankenhaus nicht wirklich einfach! Ich drĂŒcke dir/euch die Daumen, dass ihr ganz schnell wieder nach Hause zurĂŒck könnt. Liebe GrĂŒĂŸe Ingrid

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