Still Standing

11.03.2021

Heute war so ein Tag…

Eben schaute ich beim Zähneputzen in den Spiegel und wunderte mich, dass ich noch aufrecht stehe.

Ich zwang die Kleine heute zum Zimmer aufräumen. Ich bin ziemlich gelassen, was chaotische Kinderzimmer angeht, habe aber die tiefe Überzeugung, dass die Kinder ein sauberes Umfeld verdienen und dass das für das Wohlbefinden wichtig ist. Damit man sauber machen kann, muss aufgeräumt werden.

Sie streikte.

Ich bekam sie am Ende dazu bewegt (ein sehr zäher diplomatischer Prozess mit harten Verhandlungen und der einen oder anderen Geiselnahme), aber es gipfelte in einem Berg Wäsche, die sie aus jedem Winkel des Zimmers hervorzauberte.

Alleine in ihrem Hochbett fand sie vier von fünf Hoodies unter ihrem Kissenstapel. Den fünften trug sie seit mindestens einer Woche und hatte mir schon seit Tagen vorgejammert, dass sie alle ihre Hoodies in die Wäsche gegeben und nie wieder von mir zurück erhalten habe.

Während der ersten Ladung ihrer Wäsche streikte dann die Waschmaschine. Da hatte ich einen kleinen (vielleicht auch größeren) Nervenzusammenbruch. Denn derzeit laufen bedingt durch die Krankheitssituation des Ehemannes bei uns zwei Ladungen Wäsche jeden Tag durch Maschine und Trockner.

Das Internet sagte bei dem angezeigten Fehlercode, dass nur ein Servicetechniker helfen könne. Also machte ich, was schon meine Mama immer machte, wenn die Waschmaschine streikte… ich entleerte und reinigte das Flusensieb. Da klemmte nix drin, alles war bewegbar, aber der Gestank nach faulen Eiern sagte mit, dass es an der Zeit war, diesen Schritt zu unternehmen. Ich drehte mit langen Fingern das Flügelrad ganz hinten dreimal (Aberglaube, von meiner Mama übernommen).

Dann trennte ich die Maschine kurz vom Netz und ließ anschließend die Wäsche der Kleinen im Expressgang durchlaufen und hätte vor Erleichterung fast geweint, als das Programm planmäßig durchlief.

Dann gönnte ich mir heute Abend ein Bad, nachdem der Ehemann früh zu Bett gegangen war. Ich war gerade so richtig eingeweicht, als die Kleine auf der Badezimmermatte stand, panisch aufgelöst, weil sie ihr Aufgabenheft nicht finden konnte, um ihre Schulsachen für morgen vorzubereiten.

„Es liegt auf dem Esstisch an der Wand oder im Schrank bei den Schulsachen.“

Neeeiiiin!!!! Da habe sie schon geschaut, es sei weg.

Ich wusch meine Haare und ließ das Badewasser wieder ab. Wickelte mich in ein Handtuch, ging nach unten, zum Esstisch, hob Bücher und Hefte eins nach dem anderen vom Stapel an der Wandseite und fand an vierter oder fünfter Stapelposition das Aufgabenheft.

Ich fand das alles furchtbar anstrengend. Und wundere mich immer noch, dass ich aufrecht blieb bis ich ins Bett umfiel zur gegebenen Zeit.

Gute Nacht!

11 Gedanken zu “Still Standing

  1. Und ich wundere mich, dass du trotz solcher Tage immer noch so schön schreibst. Kurz, prägnant und trotzdem ein Quäntchen Humor drin. Respekt.
    P.S.: Kaputte Waschmaschinen und Trockner lassen mich auch regelmäßig zusammenbrechen. Keine Ahnung warum, vermutlich haben die Techniker das Programm gleich mit eingebaut.

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    1. 😘
      Ich verarbeite durch das Schreiben und es gibt mir das Gefühl, dass mein Gehirn nicht völlig im Alltag versumpft. Und natürlich der Tagebucheffekt… für mich alleine würde ich es niemals aufschreiben, aber man wundert sich über manche Phasen, wenn man es Jahre später wieder liest 😉

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  2. Unwillkürlich muss man lachen bei Deiner Beschreibung, obwohl Dir danach sicherlich nicht gewesen ist. Eine streikende Waschmaschine würde mich auch aus der Fassung bringen, aber wir haben zum Glück noch ein „Altertümchen“ als Ersatz für unsere neue, der ich nicht so recht über den Weg traue, was Ausfallerscheinungen angeht nach allem, was man so liest und hört.
    Ich lese schon eine ganze Weile still bei Dir mit und frage mich so manches Mal, wie Du das alles schaffst und wegsteckst, was auf Dir und Deiner Familie lastet. Dagegen werden eigene Probleme ziemlich klein.
    Ich wünsch Dir weiterhin viel Kraft bei Euren kleinen und großen täglichen Kämpfen.

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    1. Ich glaube, die Waschmaschine bringt einen so furchtbar aus der Fassung, weil man das nir durch Handwäsche ersetzen könnte. Im Vergleich dazu ist eine ausgefallene Spülmaschine und von Hand spülen müssen zwar doof, aber im Vergleich dazu pillepalle. Ich glaube, nur noch ein kaputtes Auto schreckt mich noch mehr… aber selbst da gäbe es den bezahlbaren Werkstattersatzwagen. Waschmaschine kaputt: nix Sofort-Ersatz 🙈🤣

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  3. Das mit dem Suchen und nicht finden, was Mamas auf einen Blick sehen, ist irgendwie so ne Kinderkrankheit. 😅
    Wenn man früh Kinder bekommt, haut das mit den Wechseljahren nicht hin. Bin gespannt, ob es deswegen leichter wird. Ich fürchte nicht. 😆
    Viel Kraft dir, Hut ab, wie du alles meisterst!

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