Ach wie doof

30.04.2021

Die nicht so gut deutsch sprechende Hilfe kann leider nicht mehr weiter bei uns arbeiten.

Ihr Aufenthaltstatus enthält keine Arbeitsgenehmigung. Heute bekam sie die amtliche Auskunft, dass es nicht geht. Angemeldet hatte ich sie noch nicht offiziell, weil eben die Bestätigung noch fehlte. Es lief unter Probe arbeiten, im Rahmen der Anmeldung hätte ich den Zeitraum nachgemeldet.

Es bedrückt mich. Es hat mir und ihr gut getan. Wenn sie aus ihrem Leben erzählte, dann hatte ich Einblicke in eine andere Welt. Sie fragte mich nach vielen deutschen Worten und über was sie sich in Deutschland wunderte (unter anderem ist ihr unser Verhältnis zu Haustieren sehr rätselhaft). Ich wurde an die Zeit in Krakau erinnert. Als ich mit der Inderin Tee trank und sie von ihrer arrangierten Ehe erzählte zum Beispiel.

Und ich verstehe es auch nicht so richtig, dass sie seit über fünf Jahren in Deutschland bleiben dürfen, aber gleichzeitig nicht arbeiten dürfen. Fair erscheint mir diese Perspektivlosigkeit nicht. Ich habe sie zum Kaffee nach dem Ramadan eingeladen. Und würde mich sehr freuen, wenn es an der Tür klingelte…

Mich selbst macht es zwar menschlich traurig, aber es wirft mich nicht aus der Bahn.

Heute hatte eine selbständige Alltagsbegleiterin ihren ersten Tag. Sie ist jung, packt super an, hat berufliche Pflegeerfahrung, und macht sich gerade ganz aufgeregt und motiviert selbständig. Sie verbreitet gute Laune, kann gut mit dem Ehemann, hilft im Haushalt…

Ihre Firma kann noch nicht mit den Pflegekassen abrechnen, weshalb derzeit ihre Auftragsbücher noch leer sind. Da ich für die entsprechenden Leistungen schon einen Pflegedienst beschäftige, kommt es mir nur noch auf die steuerliche Berücksichtigung an.

Und diese ist problemlos mit ihrer ein-Frau-Firma möglich. außerdem erspart mir ihre Selbstständigkeit eine Menge Papierkram.

Ich kann sie fragen, ob sie noch einen zweiten Tag kommt. Deshalb denke ich, dass es organisatorisch und entlastungsmäßig trotz allem klappt.

Dessen ungeachtet weine ich ein bisschen ob der deutschen Durchschnittshomogenität in meinem Leben.

9 Gedanken zu “Ach wie doof

  1. Es ist schade, dass wir Menschen in unserem Land erst verbieten zu arbeiten – um uns dann darüber zu beschweren, dass sie uns auf der Tasche liegen. Oder wir bilden sie erst fertig aus uns schieben sie dann ab. Deutschland geht mit seinem „Humankapital“ sträflich um.

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  2. Das macht man mit dem nicht arbeiten dürfen ist bei uns genauso. Solange jemand nicht voll anerkannt ist als Flüchtling oder ähnliches, dürfen sie nicht arbeiten, denn dann ist das sozusagen ein Akzept von Seiten des Landes, dass sie bleiben dürfen. Ohne Arbeit kann man sie immer noch zurückschicken, „wenn es die Lage in ihrem Land wieder zulässt“. Integration unerwünscht sozusagen.

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  3. Aach liebe samybee, das ist echt ungerecht..immerhin wolltest Du sie offiziell anmelden….und davon profitiert ja auch der Staat… Ich empfinde unsere Rechtsgestaltung auch oft als Lebensfreude…da möchte jemand arbeiten, hat sogar die passende Stelle und darf dann doch nicht…😢

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